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23.3.2012 an der Grenze


Gestern hat uns der Fahrer Borman von Yachuli nach Ziro gebracht, wo wir die „Frontier English School“ auch bald gefunden haben. Unterwegs: umgekippte LKW mit gebrochener Achse. Kinder spielen mit Zwackel und Reifen und Feuer, Männer tragen immer  große Messer und Schwerter, stundenlang durch Brandrodung fahren, große Kiesel überall, Körbe werden geflochten, kleine Hängebrücke

 

 Ziro heißt ein zusammengewürfeltes Dörfer Konglomerat, aber eigentlich sind wir im Ortsteil Hapong. Es ist eine unangenehme Ansammlung von Wellblechbaracken und wir fragen uns warum wir hier sind.  Tachang Leegam ist Besitzer und Vorsteher dieser Privatschule. Er ist sehr selbstbewußt und stellt seine Awards, Preise, seine musikalischen, sportlichen, intellektuellen Leistungen sehr beredet dar. Die Schule ist ordentlich und sauber, 500 Schüler  70 Angestellte, beste Referenzen, Und das hier an der Grenze. Erst mal denkt man an die chinesische Grenze. Man sagt hier aber nicht chinesische Grenze sondern tibetische Grenze. Das bedeutet, dass man die Annektion von Tibet nicht akzeptiert hat. Dann fährt er im eigenen Auto – mit Heizung, wie angenehm - los mit uns, wir kommen wo anders hin, das nennt er nun Ziro, aber dann auch wieder anders, es ist verwirrend. Paläste, neugebaut tauchen vor uns auf. „Meine Freunde“ nennt er die Bauherren und sie sind Polizei- Forst- und Agrarbeamte. Er fährt mit uns zu einem hochgelegenen Spielplatz – warum? – und macht Fotos, warum? Er spricht sehr gutes Englisch, prahlt mit seiner Tochter, die ein Hochbegabten-Platz bekommen hat. Er zeigt uns 7-8 Dörfer. In einem besuchen wir die Schwester seiner Frau. Das Haus ist geflochten, aber die Frau trägt teure Stoffe, doppeltgewebt. Er spricht nicht mit ihr, sie macht Tee. Er redet auf uns ein, er versucht uns etwas zu vermitteln, das wir nur ungenau verstehen. Wer in dem Haus lebt? Nun nur sie allein, nein, auch ihr Mann und die Kinder, nein, die sind woanders. Alles ist unklar. In seinen Gesprächen geht es um Jesus und um Donipelo, den es angeblich gar nicht gibt. Das sei alles hochgestochen worden, um die Christen draußen zu halten.

Es gäbe eine Regel im Stamm, dass für einen gefällten Baum 4 neue gepflanzt werden müssen, wir sehen Aufforstungen, alles schnelle Pinie, er ist ganz stolz darauf, macht Fotos. Er ist schon mit 14 vom Stamm weggekommen, weil der jüngste Onkel ihn zu den christlichen Schulen geschickt hat. Deshalb ist er nicht tätowiert. Dabei hat die Leberlesung gesagt, dass er „enchantig priest“ werden soll. Aber er wollte unabhängig sein. Deshalb ist er nicht in den Staatsdienst gegangen wie alle anderen. Er fährt uns in „sein“ Dorf Hong. Auf einer Plattform sitzt ein alter Mann und schimpft auf uns ein, alle kämen nur zum Knipsen, Geld würden sie keines dalassen. Er zieht kleine Bambusfäden und poliert sie. Leegan beruhigt ihn und gibt im 50Rs. Aus den Reiseführern sind die Bilder der Apatani-Frauen bekannt mit ihren hässlichen Tätowierungen und ihren schwarzen Knöpfen in der Nase.  Die Apatani-Frauen seien die schönsten unter den Stämmen, deshalb seien sie häufig gestohlen worden. Da habe man sich entschossen, sie zu verhäßlichen, um sie zu schützen. Frauen seien sehr gut geschützt, wenn ein Ehemann ihr Unrecht täte oder sie betrüge, dann kämen die Brüder und wurden ihn bestrafen.  Wir sehen die italienische Reisegruppe herumknipsen, ca 15 Leute. Dann zeigt er uns alte Häuser „my house“ und leere Plätze „my house“ und Männer „my brother“  oder „from same mother“ und Frauen „my sister in law, no, the auntie of my brother in law“…. Wir versuchen eine Weile uns Gesichter zu merken, aber es ist draußen regnerisch und innen stockdunkel, nur ein Feuerschein von der zentralen Feuerstelle erhellt ungenau die Gesichter, die alle freundlich sind. Er redet und redet, es ist kaum möglich, mit anderen irgendwas zu kontaktieren, obwohl wir uns bemühen. Er gehöre doch zu dem Stamm, dass müsse Christus doch verstehen, wir wären doch auch Deutsche.  Ein Mann fängt plötzlich an, Palmwedel zu schwingen und zu singen. Man zeigt uns Babo, hohe Stangenmit oberen geschmückten Querbalken, die aufgebaut werden zu diesem Fest. Man erklärt uns die Hochzeitszeremonie der Aptatani: Bräutgameltern lesen Leber, bei positivem Befund Übersendung der Leber an Brauteltern, oder umgekehrt. Dann Besuch, Gegenbesuch, Geschenke ausgetauscht Kalabassengriffchen müssen gerade sein, dann übergibt der Bräutigam ein Schwert (wenn ich was Blödes mache, könnt ihr mich erschlagen) und die Brauteltern übergeben einen Schal (du stehst  unter unserem Schutz) dann zusammenziehen ins Haus des Bräutigams, dann Hausbau und Nestgründung, alle helfen mit, Bräutigameltern übergeben Mithun und 6 Lakh,die Brauteltern eine Reisernte. Dauert bis 10 Jahre.

Wir ziehen zu anderen Häusern „my brothers sisters in law house“, dort hat es zwei Feuerstellen, wir treffen einen sehr alten ca. 90jährigen ganz verkohlten und rußigen Mann, der den ganzen Winter nicht draußen war. Vor den Häusern aus Bast geflochtene Ständer, das seien Gegenstände für Pujas, auch leere Eierschalen, die aufgespiesst sind, seien Pujas. Wir sehen auf den nicht mehr bebauten Reisterassen aus Bambus gefertigte  Feldaltäre und zwischen den Häusern Baumaltäre an denen Schweine geschlachtet werden sollen. Drei Schweine liegen gefesselt, ein weiteres wird allein für diese Familie erwartet. Das Fest mache „Kopfschmerzen“, häufig eine Umschreibung für finanzielle Probleme. Eier werden als Opfergabe verwendet.  Hinten am Haus hängt ein geschlachtetes Rind. Viele Gäste werden erwartet, die anderen Dörfer kommen zu Besuch. Dass sie sich gegenseitig besuchen ist Pflicht „ererbte Freunde“. Man muss sie beschenken, früher mit Schweinespeck. Heute auch mit Geld „very difficult, very difficult“. Wir bekommen  Fleisch angeboten, der vollkommen überwürzte Schweinespeck ist jetzt in kleine Würfel geschnitten. Aus Bambusröhren wird eine Pastete aus Hühnerleber und Eiern herausgeschält. Immer wieder selbstgebrautes Bier. Ich bin durstig, aber ich mag es nicht trinken, es schmeckt wie abgestandenes Malzbier. Während er uns erklärt dass er ein Entscheidungsträger seines Stammes ist, kommen draußen lange Menschenketten vorbeigezogen. Alle Männer des Dorfes laufen mit Palmwedel und rufen Ho ho ho. Die Väter haben die Kleinkinder aufgeschnallt. Wir gehen zu der Plattform. Er erklärt dass ein solches Lapan nicht von Frauen betreten werden darf, weil es eine öffentliche Versammlungsstelle der Männer ist, während er das sagt, scheucht er mich nach oben. Vor uns ein ca. 1 m hohes und 6 m langes Häuschen Debrlano,, um das sich die Männerprozession versammelt, ihre Palmwedel dransteckt, stampft und hüpft. Irgendwas passiert drinnen, die Italiener drängeln, ich bleibe mit Abstand. Nach einer ganzen Weile wird ein geköpftes Ferkel herausgetragen und der Schamane kommt hinterher, läßt sich geistesabwesend von allen fotografieren. Man betrachtet die Schweineleber und diskutiert heftig. Wir sind im Haus des Priesters eingeladen, ach wie gerne würde ich mit ihm diskutieren, aber Leegam läßt keine Frage durch, beantwortet alles selbst, der alte Herr ist auch gegenüber den anderen schweigsam. Dieses Myokofest geht mehrere Tage. Sein Sinn ist die Erneuerung der ererbten Freundschaften zwischen den Dörfern. Wenn irgendwelche krummen Dinge passieren (Mithunn tot, Frau verschwunden, Reis geklaut…..), kann niemand mehr ungeschützt in die Nachbarregionen gehen sondern wird sofort geschlachtet. Aber man kann versuchen das Haus eines ererbten Freundes zu erreichen. Das sind so eine Art Botschaften mit sicherem Territorium, dann kann man versuchen, etwas auszuhandeln, eine Art „local insurrance“. Es ist ein teures Fest, die Gäste werden mit Bier und Schweinespeck, dem Wertvollsten bewirtet, und sie bekommen Geschenke, die äußerst kostspielig sind. Am Tag zuvor werden zwischen den ca. 10 m hohen Babos Seile gespannt, an denen die jungen Burschen ihre Kletterkünste zeigen. (Herumwirbeln des Körpers auf dieser Höhe!). in der heutigen Zeit ist das Dorf weitgehend leer, alle arbeitsfähigen Menschen sind unterwegs in den Städten, im Dorf sind die Alten und die Frauen, einmal, zweimal im Jahr kommen sie dann alle, führen die Zeremonien auf. Der Nibu, der Priester ist oft allein. Wie soll es weitergehen. Leegam ist der leibhaftige Spagat zwishen Tradition und Moderne. Er ist tiefgläubiger Christ im heidnischer Verantwortung. Das Verteilen des Ferkels unterliegt genauesten Regeln, die der Oberpriester alleine gar nicht durchsetzen kann in der wilden Männergruppe (Neulich haben die Jungens hier das Obermithun der Polizei geklaut und geschlachtet und gefressen!!!)

Dann muß einer den Affen am Vortag fangen und schlachten, der Affe gilt als Gott.

Der Affe wird gefangen und geschlachtet, der Affenschädel in das kleine Zeremonialhaus (Debrlano) gelegt. Durch das Stampfen soll in dem Affenschädel das Blatt und das Blut wackeln, das sei das Zeichen für einen gelungenen Festverlauf. Wenn niemand krank wird, dann ist das Fest gelungen, dann sind die Freundschaften stabil. Die Schweine-Leber wird gelesen und länger diskutiert.,
Einen Gott, den man anrufen könnte in der Not, hätte es früher gar nicht gegeben, der Priester ruft die Ahnenreihe an. „enchanting priest“ nenne sie das. Eigentlich ist der Donipelo so eine Gegenbewegung zu den anderen Religionen, Apatani glauben an ahnen und Geister, nicht an Götter.
Wir sind an der Grenze: zu China oder zu Tibet? An der Grenze unseres Verständnisses und unsres Wissens, unserer Religiosität. . An der Grenze der Zeiten und der Welten, die hier aufeinanderstossen und es ist deutlich, dass diese Menschen den Spagat schaffen werden zwischen den Welten und Zeiten. Wir bleiben bis lange nach der Dunkelheit im Haus des Nibu. Sie bezeichnen sich als mongolische Stämme. Dann fahren wir zurück nach Halong zu Leegams nach Hause.
Wenn man das Schulhaus auf der Rückseite betritt, ist man im Privathaus. Gegenüber ein gerade gestartetes Kindergartenprojekt. Er ist 48J. Zuerst führt man uns in einen Raum, der offensichtlich nicht bewohnt ist, sondern nur den Awards und Fotos dient. Bilder von seiner Familie und dem sehr berühmten, gerade verstorbenen Hazarika hängen da „bester Freund“. „Erster in Arunachal“ der einen Film gedreht hat, erster in…..,  einziger in…., seine Frau beste von……, seine Tochter  super in……Seine Frau Ania hat schon mit dem Mittagessen auf uns gewartet.
Lieder von Liebe „Wie sie sein soll“, ganze Familie ist musikalisch. Es gibt 3 kleine Kinderzimmer, überall Keyboard und Gitarre. Auch hier kommt Besuch, ein älterer Mann, der Speck und Bier bekommt. Es wird auch hier das Salz angeboten, das aus einer Pflanzenasche heraustitriert wird. Auch hier sind am Ofen gestelle, in die man die Bambuspasteten stellen kann, hängen geräucherte Därme Das Feuer in diesem Wohnraum ist in einem Ofen, aber an der Wand hängen auch die Ritualschwerter. Es gibt ein Dienstmädchen hier, die 2500 RPs bekommt. Ania spricht gut englisch und arbeitet ganztägig im Agricultur-Dept. Die Leute sollen anderes als Reis anpflanzen: Blumenkohl, Paprika, Tomaten, Karotten, Kartoffeln, Kiwi werden gefördert, bisher haben sie an Gemüse nur Senfblätter angebaut. Wir kriegen – sehr selten hier – mal Rohkost zu essen. Strom sei stabil hier, aber die Wasserversorgung bricht ständig zusammen. Tatsächlich pflanzen sie immer weniger an, die Häuser sind leer, die Menschen wandern in die Großstädte, in 2 Generationen ist das ganze untergegangen, sie wissen es, sie leiden darunter, sie machen mit.
Das Wetter bleibt regnerisch und kühl, wir erreichens ehr spät die hiesige Gemeinde, Fr. Xavier hat eine einfache Kammer für uns, aber 2 Betten und warmes Wasser zum Waschen.
Morgens sehen wir seine Schule, die Kinder machen zur Trommel kleine Tanz und Bewegungsübungen, 500 Kinder, die Jungens verlassendie Schule mit 14 und sind nicht mehr zu beschulen. Die müssen „ den Urwald im Bauch haben“. Die Konvertiten seien sehr gläubig, besonders der Rosenkranz spiele eine entscheidende Rolle, ein Auto, das mit Rosenkranz verunglückt bleibt ein großes Rätsel. „Sie spüren ihre sterbende Kultur und fühlen die Leere, die sie hinterläßt“
 

24.3.12 02:51
 


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