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Schmetterlinge an der Leine und auf 5300m mit Sari im Schnee

15.3.2012

Gestern abend waren wir bei Fr. Mathew zu einem Umtrunk eingeladen, es kamen auch noch Bastian und Tom von der DB-School rüber und wir hatten die Auswahl zwischen Rot- und Weißwein und Bier. Es gab 5 verschiedene Sorten Nüsse, alles Genüsse, die wir ein halbes Jahr entbehrten und die Väter genossen es auch sehr. Die Gespräche kreisen um unseren Aufenthalt, um die ersten Begegnungen. Wie nett!!!

Tintin hat uns noch zur Tante von Sumo eingeladen, die genau gegenüber von Boscoinstitut eine Seidenraupenzucht hat. Sie zeigte uns einen Schmetterling am Lasso gesehen, dessen gerade gelegte Eier, die fetten Raupen mit ihren Gespinsten und ihre Verpuppung,, die abgekochten Kokons, das Spinnen und die etztendlichen Gewebe, die sie herstellt. Für einen Shawl aus dieser Seide bekommt sie 1000RPs, eine Menge Arbeit steckt hinter so was. Diese Seide ist nicht glänzend, sondern das, was meine Mutter als „Rohseide“ bezeichnete, eine andere Seidenraupe als die der anderen Glanz-Seidenherstellung.

Dann haben wir nochmals mit den Tests gekämpft, sind aber einen deutlichen Schritt weitergekommen. Fr. Jerry hat mich vor der Feier zur Seite genommen und gefragt, ob ich eine Idee habe, wie er seine Hochschule verbessern kann und ich soll wiederkommen, wegen dem Beratungs-Kurs als Gastprofessor, wie gut das alles tut!

Die Abschiedsfeier war gigantisch. Sie haben für uns gesungen und getanzt und gedichtet und geredet und sie haben uns assamesische Hüte, Tücher und Töpfchen geschenkt und sie haben geweint und gelacht und getanzt. Es gab ein Porträt von mir von Teja gemalt. Alles sehr liebevoll und freundlich.  Und als wir getanzt haben, wusste ihre Freude keine Grenze. Umarmungen von allen, Segenswünsche, Gebete. Meine Abschiedsbotschaft war: obwohl ich alt und weiblich bin, habe ich ein Recht, mein Glück zu suchen, das hat Jerry gefallen. Jerry bittet uns, Nachfolger zu schicken. Das Abschiedsessen: wir haben pro Person 200 g Fleisch springen lassen, war ein Knüller für 75€!!

 

 

Fr. Mathew hat uns in 4 Std. über den Brahmaputra gebracht und in Tezpur abgeliefert. Dort hat uns eine Reiseagentur Gipsy aufgelesen, Besitzer Antonie, Fahrer Bumoch. Die erste Hälfte noch in Assam sind wir durch ein riesiges Sandbett gefahren, und haben nach ca. 2 Std. die Grenzstation erreicht. Mit ein paar Bananen, einer Ananas als Wegzehrung und einer Registrierung samt 10 Kopien der Einreiseerlaubnis haben wir dann die Grenze überquert. Die Hütten sind schon sehr viel ärmlicher als in Assam, auch fehlt der Plastikmüll als Zeichen des  Fortschritts. In Arunachal Bereich West-Kumeng fangen sofort die Berge an. Die sind wir zunächst frohgemut aufgefahren, haben den  Kumming überquert und mussten dann die ganze Höhe wieder runter. Bomdilla haben wir nach 6 Stunden von Tezpur aus erreicht (120 km). Also jetzt ist es eiskalt und wir freuen uns, dass wir das teuerste Hotel am Ort gebucht haben (45&euro mit Heizung und Warmwasser. Wir sind auf 2000 müdM. Wir machen noch einen kleinen Abendspaziergang und wundern uns über die rege Geschäftstätigkeit „touristic place“ könnte man sagen, jedenfalls gibt es Restaurants und Hotels, warme Jacken und Pullover. Wir wandern die Straße hinab in ein buddhistisches Kloster das mit der schweren Holzbauweise eher chinesisch daherkommt. Aber die Malereien sind buddhistisch luftig und farbenfroh. Als der Stromausfall um 19h kam, sind wir dann doch ins Hotelrestaurant geflüchtet und haben chinesisch gegessen. Hier ist die indisch-tibetische Grenze sehr nah. Die Leute sehen sehr mongolisch aus und es gibt auch viele Nepalesen. In der Nacht gelang es uns nicht, die Air Condition zu regeln, wir haben geschwitzt, angesichts der Kälte draußen ein perverser Zustand.

16.2.2012

Heute morgen haben wir dann nochmals im örtlichen Kloster einen Besuch gemacht, festgestellt, dass die große Gebetstrommel auch Glocken zu Schwingung bringt, dass die kleinen Gebetsmühlen Drehgriffe haben, daß auf dem Hauptaltar der Dalai Lama steht (wie buddhistisch ist der Lamaismus eigentlich?), dass die kleinen Klosterjungen dort ab 7 Jahren aufgenommen und in allen Fächern unterrichtet werden und haben uns über die vielen bunten und schwarz-weissen Gebetsfahnen gefreut. Die Hotel-Bedienungsboys stammen aus Manipur und Bihar, die einzige Qualifikation ist, englisch zu sprechen. Die Weiterreise begann gegen 8h morgens und führte uns hinauf und hinunter immer wieder Serpentinen, immer wieder schnuddelige kleine Brückchen. Das Gebirge ist auch in großen Höhen noch sehr sandig, weißer feiner Vogelsand in großen Mengen, dazwischen manchmal solider Fels. Auf der ganzen Strecke Straßenbau-Arbeiten, zu einem großen Anteil sind die Steinhauer Frauen, oft mit Kindern auf dem Rücken, manchmal sitzen sie in großen Gruppen und stricken. Auf der ganzen Strecke Armeefahrzeuge, immer wieder Kasernen. Etwa ab 11h wurde es kalt und wir näherten uns dem Sela-Paß, der mit 4200müdM höher ist als alles, was Europa  bietet. Es fielen ein paar Schneeflocken und am Tor, das den Pass anzeigt lagen dann tatsächlich ca. 3 cm hohe Schneedecke und tiefe Schneeverwehungen. Die Inder freuen sich ein Loch in den Bauch und fotografieren und fotografieren. In dem Restaurant am Pass regnet es durch die Decke, und es bollert ein Kanonenöfchen darin. Da es gerade Mittagspause war und wir dafür eine Ananas vorgesehen hatten, aßen wir im Schnee die Ananas mit eisklammen Fingerchen. Mir ist schwindelig, ob von der Höhe oder vom Hunger bleibt unklar. Die Straße ist mal sandig, mal schlammig, ausgefahren mal durch Steinhaufen oder querstehende Bagger oder LKW blockiert, immer mit Armeefahrzeugen gestopft. Wir sehen oft nicht mal die Schlaglöcher vor lauter Sand, und aufgewirbeltem Staub, immer liegen Felsbrocken und Holz herum. Tiefe Löcher anstelle der halben Straße tun sich auf, der künftige Abwasserkanal fehlt noch. Häufig Absenkungen von 20 – 30m durch Landsliding. Ab und zu kommen wir dem Abgrund auf Zentimeter nahe, dann läuft der Agenturbesitzer rückwärts dem Fahrzeug voraus und winkt uns an den Hindernissen vorbei. Die Straße ist gesäumt von den jämmerlichen Hütten und Zelten der Straßenbauarbeiter. Manchmal kommt es dann zu den Begegnungen zwischen Baggern, Felsbrocken, Benzintankfahrzeugen und Abgrund, die abenteuerlich sind und die Fantasie anregen.

Der See am Pass ist zugefroren, die Wolkenfetzen wandern die Berge hinauf und hinunter und wirbeln vor dem blauen Himmel, den schneebedeckten Bergen und den bunten Fahnen in wunderbaren Bildern. Bettelkinder erhoffen Kekse. Wir wickeln uns in unsere Naga-Decken,  die Inder frieren, nehmen aber nichts an. Nach ca. 14h sind wir wieder in einem Tal. Die Obstbäume blühen weiß und rosa und die Leute harken im Garten und auf dem Feld herum, gegen 15h sind wir wieder im Schnee. Gegen 17h erreichten wir Tawang und kamen nach einigem Suchen in einem Hotel unter. Hier haben wir bei Minusgraden nur einen Heißlüfter und liegen mit Anorak aber gut abgesättigt im Bett.

17.3.2012

Morgens: Sonnenschein! Kaiserwetter mit Schnee, Heinrich hält nichts im Bett und er wandert früh Richtung Kloster, trifft auf einen sehr netten buddhistischen Mönch, mit dem er ein nettes Erzählen hat. Zum Frühstück kommt er zurück. Unser Fahrer kommt zu spät und inzwischen habe ich mich mit den Indern, die wir gestern schon auf dem Sela-Pass getroffen haben, unterhalten. Die haben einen Ausflug zu einem P.Tso-See vor, da schließen wir uns an. Vorher sollen noch Papiere zum Staatspolizei-Büro gebracht werden. Weil Samstag ist, ist dieses Büro geschlossen, wir sollen es dem DC (District Commander?) nach Hause bringen. Wir suchen es, finden ein edles Gebäude, in dessen Garten ein Baum von Dalai Lama 1959 gepflanzt wurde. Aber der DC geruht nicht, uns zu empfangen, wir fahren ohne Papiere die 20 km an die Gebirgskrone. Wir treffen die indische Reisegruppe, die aus ca. 5 Frauen und 2 Männern unseres Alters besteht, am See. Der Hügel, auf dem das Kloster Tawang und das umgebende Städtchen liegen, sind von einem Gebirgskessel mit 5300-5600 m hohen Spitzen umgeben an einer dieser Spitzen sind wir jetzt auf 5300 m üdM. Die Frauen stehen mit ihren Seidensaris zwischen dem  Rhododendron im Schnee, über uns kreist ein Himalaya-Adler. Wir werfen mit Schneebällen, ich beginne einen Schneemann zu bauen. Die Inder sind ganz glücklich mit dem Schnee „Wie in der Schweiz“ sagen sie immer wieder. Wir alle spüren die  dünne Luft, müssen pusten und japsen, aber ich habe es mir schlimmer vorgestellt. Es ist sehr schön hier oben. Ich habe ein wenig Knochenschmerzen vom Blutausstoß.  Man kann bis nach China und Bhutan hinüberschauen.

Unterwegs ist die Fotobatterie leer, wir fahren zurück ins Hotel. Hier gibt es nur ca. 2 Std. öffentlichen Strom und jetzt gerade nicht. Tatsächlich bitten wir das Hotel, den  Generator zu starten: ein ca. Zimmergroßes Gerät wird angeworfen, um meine kleine Batterie eine halbe Stunden zu laden, ich schäme mich der geforderten Verschwendung wegen und weil ich gestern abend das Aufladen vergessen habe.

Nach einer Pause, die die Lungen gebrauchen können, starten wir zum Klosterbesuch. Tawang liegt auf ca. 4500 m und sieht aus wie Lhasa, nur kleiner. Bevor man das Männerkloster erreicht kommt man an einer Seilbahn vorbei, die zu einem entfernter gelegenen Frauenkloster mit 60 Nonnen führt, aber wegen des Misstrauens oder der Unfähigkeit nicht in Betrieb ist.

Dann betritt man durch das große Torgebäude mit wunderbar gemalter, frisch renovierter Decke das Zentralkloster. Man kommt an vielen Gebetsmühlen vorbei, in diesem Vorhof lebt eine Affenfamilie mit sehr herrischem Oberaffen, der einen Jungaffen sehr streng bestrafte, der auch was zu fressen wollte. Alte Frauen drehen die Rollen, ein paar ältere Mönche liegen in der Sonne. Das nächste Gebäude ist eine Bibliothek, die aus 2  modernen Räumen besteht und moderne Literatur, Sachbücher und Nachschlagwerke enthält und 2010 vom Dalai Lama eingeweiht worden ist.  Das nächste Gebäude zeigt deutliche Brandschäden, ein Junge sei letztes Jahr hier verbrannt, wird erzählt. Das große obere zentrale Gebäude ist ein Gebetshaus und eine Schule, darunter liegen die Unterkünfte der  500 Mönche davon 200 Knaben. Die Häuser haben einen Lehrer und ungefähr 10 Knaben. Die Schüler kommen zwischen 5 – 10 Jahren und werden dann ihr ganzes Leben lang Mönche bleiben. Die Eltern zahlen ein kleines Schulgeld wenn sie können.

Der sonnendurchflutete große Mittelhof mit einer baumlangen Gebetsfahne und der sauberen Marmortreppe bot uns Rast zum Verschnaufen. Alle Gebäude sind gut renoviert und bunt bemalt, überall Fahnen und Vorhänge, die lustig im Wind wehen. Ein Mönch winkt uns in ein Ein-Raum-Museum. Auch das 2010 vom Dalai Lama eingeweiht. Man findet Gegenstände aus dem Kloster Tawang die bis zu 800 Jahre alt sind aber auch viele Gegenstände von Lamas und Lhasa. Offensichtlich hat der Dalai Lama hier auch Sachen „untergebracht“. Alles ordentlich beschriftet und gut präsentiert.

Das große Hauptgebäude ist aus massiven bemalten Holzsäulen gebildet und 4 stöckigen Galerien ein hochaufragender Buddhatempel. Buddha ca 12 m hoch, golden, hat die Augen offen und lächelt, um ihn herum weiße Schals – ich lege einen Assam-Schal dazu – und viele der Dämonen, Lamas und Mönche. Wir sehen die sechs buddhistischen Ebenen: Götter, Halbgötter, Menschen, Tiere, Pflanzen und Dämonen und die 8 buddhistischen Heiligtümer: das Rad, der Schirm, der Schatz, das Gewebe, die Siegesfahne, der Lotus, die rechtsdrehende Muschel, die Goldfische. Die Gebetsbänke sind senkrecht zum Hauptaltar angebracht, man sieht die großen und kleinen Trommeln, geschmückte Blasinstrumente, gelbe Zeremonialhüte.

Als wir herauskommen, laufen gerade die Schüler im Hof herum, wir folgen ihnen und sehen Mompas in ihren witzigen Zipfelhüten beim Reis auslesen. Ein Mann spricht uns an, der hier in der Klosterverwaltung arbeitet.

Das Kloster ist ca. 400 Jahre alt – also wahrscheinlich von Kublai-khan mitgegründet. Dalai Lama gilt ihnen als Boddhisatva und ist „very precious“ sehr wertvoll. Er erzählt, dass der frühere Ministerpräsident von Arunachal auch ein Mompa war und beim Rückflug von Tawang nach Itanagar mit dem Hubschrauber vor 6 Monaten verunglückt ist. Da er ein Gönner des Klosters und der Mompas war, ist dies ein großes Unglück für sie. Er erzählt, dass viele Mönche den chinesischen Überfall von 1962 selbst miterlebt hatten und in großer Panik geflüchtete sind. Warum sich die Chinesen damals zurückgezogen haben, weiß niemand, jedenfalls nicht wegen der Verteidigungsbereitschaft der Inder. Die haben sich für dieses Stück Himalaya nicht besonders geschlagen.

Dieser Mann nimmt uns dann auch mit nach unten ins Dorf. Wir entdecken einen Schild Internetcafe, aber ach, das hat natürlich auch kein Netz. Man lächelt uns mitleidig an, als wir danach fragen. Der zentrale „Old market“ hat eine sehr neue Gebetstrommel-Mauer und im Zentrum eine große Trommel. Daneben in der untergehenden Abendsonne ein Café mit Süßigkeiten und ein paar Stühlen. So was haben wir lange gesucht hier und genießen Tee, Gebäck und die angenehme Atmosphäre. Auch hier alles sehr gepflegt und bunt. Wer hätte es gedacht: 2010 vom Dalai Lama eingeweiht! Auf dem Rückweg zum Hotel sieht man, wie viel hier gebaut wird! Dabei fehlen Straßen, Bewässerung und Strom. Da wächst mal wieder die Stadt schneller als die Infrastruktur. Aber natürlich ist Tawang vor allem Grenzstadt: viel, sehr viel Militär ist hier.  Wir schaffen den Aufstieg langsam, schnaufig aber wir schaffen ihn. Dann holen wir den Heißlüfter aus dem Zimmer, ziehen die Anoraks gar nicht aus und gehen so zum Abendessen. Anschließend gehen wir mit Anorak ins Bett. Ja, wir sind in Indien, aber es könnte auch Grönland sein: es ist einfach eiskalt!

18.3.2012

Im Hotel ist eine Reisegruppe mit 14 Italienern angekommen. Wir ärgern uns, weil wir mal wieder 45 min auf die Fahrer warten müssen. Das versuchen sie auszugleichen, als sie entdecken, dass uns der wilde Rhododendron und die wilde Magnolia gefallen. Da gehen sie einfach in ein Grundstück und brechen Zweige ab, die Besitzer sind desinteressiert. Wir fahren bei Sonnenschein die lange Strecke bergab und östlich, die wir auch gekommen sind. Überall kleine Gebetsmühlenhäuser, Stupas und viele, viele bunte Gebetsfahnen, die besonders die Abgründe überbrücken. Die Schneeschmelze beschert den Wiesen die ersten Schlüsselblümchen, die aber hier lila gefärbt sind, in den geschützteren Lagen blühen die Obstbäume rosa und weiß und von verschwenderischer Schönheit strahlen sie vor einem blauen Himmel. So schrauben wir uns von 4500m üdM auf 3000 runter, vorbei an den hier üblichen Fachwerkhäusern der Mompa, den jämmerlichen Blechhütten und Plastikzelten der Straßenarbeiter und vereinzelten Steinklopferinnen, Heute am Sonntag ist deutlich weniger Verkehr, auch ruhen die Baustellen weitgehend (ein Bagger arbeitete, vereinzelte Steinbrecher, und einige Klopferinnen). Wir nutzen die Gelegenheit, zwei Frauen ein wenig auszufragen. Diese beiden verdienen pro Trage-Korb 35 RPs und schaffen in 8 Arbeitsstunden von 8-16h max. 5 Körbe pro Tag. Auch ihre Männer arbeiten im Straßenbau, aber meist auf den Baustellen weiter weg, Frauen arbeiten in der Nähe der Dörfer. Diese Frau hatte 3 Kinder, die normalerweise allein zu Hause sind, manchmal kann sie mittags heimgehen und was zu essen kochen. Das Mädchen war dabei zum Helfen, auch am Sonntag. Die Buben gegen in die Schule. Der Split ist aus weichem Gestein, ein einziger Hammerschlag reicht, um die Brocken springen zu lassen. Die Frauen tragen Plastikschläuche an den Fingern, um die Haut zu schonen, wie sie ihre Augen vor den Splittern schützen, ist mir unklar. Außer dem Straßenbau haben sie noch ein wenig Landwirtschaft, besonders Kartoffelanbau. Ihre Familien leben weit weg, sie sind hier als Kleinfamilie.

Es fällt uns wieder auf, wie bröselig dieses Gebirge ist, viel sehr weicher Stein, viel Sand, kaum solides Baumaterial für diese Gebirgsstraßen mit ihren riesigen Muren Abgängen. Der frisch gebrochene Stein glänzt wunderschön und ist voller Glimmer. Aber die neu gebauten Sperrwände sind schon wieder aufgebrochen. Das Wasser, der Frost tun ihr übriges.

Wir überqueren den alten Siang, (der nach dem nächsten großen Zufluss dann Brahmaputra heißen wird) der hier weißbrausend herunterdonnert und riesige Kiesel umspielt. Ein schöner aquamaringefärbter Gebirgsfluß, der zwei feindliche Länder verbindet. An der Brücke kommen wir ins Gespräch mit einem Soldaten, 32 J. dessen Frau in Gujarat lebt, der seit 15 Jahren in der Armee ist und alle 2 Jahre woanders stationiert ist.

Wir fahren auch wieder  am Felsennest-Kloster vorbei, auf der anderen Talseite treffen wir einen betenden  70 j. Pilger, der seit Jahren allein von Kloster zu Kloster wandert. Wie viele Menschen hier eben auch allein sind und nicht eingebettet in ihre Familien leben müssen!

Auf der Straße im Frühling sehen wir Kinderspiele: „Mensch ärgere dich nicht“, über einem Baumstamm liegt ein Brett als Wippe, überall spielen sie Fangen, Werfen, manchmal sieht man Murmelspiele oder Münzen werfen, Jungs treiben Reifen an, eine Mutter zieht ein Kleinkind in einem Plastikkanister.

In Jang zeigt man uns einen Behälter für die Mischung von Yakbutter-Tee. Dann haben wir uns ca. 60 min lang verfahren, was die Fahrer natürlich nervös macht. Unterwegs sehen wir Packpferde und Mulis, viele Fußgänger. Wir besichtigen das Kriegsmuseum. Die verhärmten Soldaten betreiben hier einem Gedenkplatz für den chinesisch-indischen Krieg von 1962. Damals hat China Tibet überfallen, Indien hat sich dafür Sikkim unter den Nagel gerissen. Die indischen 300 Soldaten, die hier die Chinesen 72 Std. aufgehalten haben mit einigem Pomp bedacht werden, aber eigentliche Informationen erhält man nicht.  Die Armee reicht umsonst Tee. In einem Luxus-Schaufenster gibt es Rexona-Seife und Alpenliebe-Bonbons. Ein paar Straßenarbeiterinnen beschenken wir mit Samosas, einen Fettgebäck.

Dann wird es wieder kalt, wir nähern uns der Schneegrenze und der unteren Wolkendecke. Wir sehen schon das Tor des Selapasses, als uns ein Tank-LKW entgegenkommt. Die Schneeverwehungen sind ca. 80 cm hoch rechts und links und die Straße ist dadurch einspurig. Es kommt zu einem heftigen Hin- und Her-Geblinke, unser Auto fährt schließlich rückwärts. Aber statt das nun einfach zu schlucken, brüllen sich zunächst die Fahrer an, unserer steigt auch noch aus, als aus dem Tanker etwa 6 junge Männer springen und sich wütend und Fäuste schwingend unserem Fahrer nähern. Einer reißt den Autoschlüssel an sich. Uns wird ganz angst und bange. Gott sei Dank kommt ein Commander der BRO (Grenzstraßen-Kommando) daher und sorgt für Ruhe und schickt die Kampfhähne in verschiedene Richtungen den Sela hinunter. Wir beköstigen unsere Fahrer nun erst mal mit Tee und Maggisuppe in der Herberge am Paß zur Nervenberuhigung. Die Gaststätte hier auf 13700 ft. wird von einer 32 j. Frau betrieben, die als einzige Hilfe eine 15 j. Verwandte hat. Sie ist ganzjährig geöffnet. Es ist ärmlich, schäbig, löchrig, schmutzig aber warm. Auf dem Weg abwärts fahren wir mit unseren Sommerreifen auf festgefahrener Schneedecke und durch harschen Schneematsch, die sehr engen, schwer löchrigen Serpentinen. Ich erahne, wie dünn die Nerven in dem Tank-LKW waren, wo sie mit sicher noch schlechteren Reifen eng gedrängt, hungrig, mit Benzin hintendrin diese Straßen nach oben gefahren sind, kein Wunder dass die so aggressiv waren. Diese nervenaufreibende Fahrt wird durch Kälte und Nebel noch verschlechtert aber nach über einer Stunde haben wir den Schnee wieder verlassen, auf dieser Seite scheint zwar leider keine Sonne, aber die Straße wird trocken und ist nun nur noch eine einzige Baustelle. Mit Zwischenstopp in Dijang, wo wir Tee trinken und einen Snack essen kommen wir spät aber wohlbehalten in Bomdilla an. Anruf von Fr. Mathew, dass etwas mit dem Permit nicht stimmt und wir uns kümmern müssen. Mein Schwindel, der mich in Tawang doch sehr gequält hat und das Japsen nach Sauerstoff sind wieder weg. Wir essen wieder im Hotelrestaurant, wie selbstverständlich trinken wir das heiße Wasser, sehen mit den Militärs Kricketspiele an und freuen uns, wenn die Inder einen Run gewinnen.

19.3.12 16:28
 


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