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9.3.-13.3.2012 von Heinrich, Job-Interviews und von Klos

9.3.-13.3.2012 Am Freitag wurde noch immer Holi gefeiert, es ist ein Vollmondfest und bekanntlich kann man den Vollmond nicht immer so genau festlegen. Ich habe mit den 4.Semestern noch mal Workshop gemacht, es lief einfach super und wir waren gut stolz aufeinander. Besonders die Sequenz mit den Vorstellungsgesprächen und Hot-Seat haben sie angesprochen. Als Fr. Jerry zum Fotografieren reinkam, habe ich ihn gebeten, ein Jobsucher zu sein. Das war lustig. Dabei wurde dann erwähnt, später bestätigt, dass in Assam 70% aller Kinder in der Grundschule und weitere 70% in der Mittelstufe die Schule abbrechen. (und dann fallen noch sehr, sehr viele durch die Abschlussprüfungen) Es sind oft sehr banale Ursachen, z.B. dass kein Klo für die Mädchen da ist. Außerdem seien die staatlichen Schulen extrem unattraktiv und langweilig ausgestaltet und Jerry betonte in seinem „Vorstellungsgespräch“ bei dem „Chef“, dass er dafür wäre, an dieser Stelle mit der Arbeit anzufangen. Der „Chef“ (es war der fitte Ruben) fragte ihn sehr konkret aus und Jerry antwortete, er sei dafür, die Kirchen, Moscheen und Tempel für die Kinder zu öffnen und alle Studierten einzuspannen in das Ausbildungskonzept der Kinder. Anschließend sprach mich Prakash an, ob ich mit ihm seinen Lebenslauf schreiben könnte. Es stellte sich heraus, dass er sich 2 Jahre jünger schummelt als er ist. Er hat als ältester Bauernjunge lange in der Familie helfen müssen und zu spät mit der Schule angefangen. Deshalb schummelt er jetzt seit Klasse 5 um 2 Jahre! Nach dem Unterricht hat mich der schöne Likoh gefragt, ob ich mit ihm nach Lichubari zu den Farben fahren will. Also wir auf dem Pinkrider von der Magnah gefahren. Also das war schon ein Hingucker! Und es waren tatsächlich noch viele mit Farbtöpfen und Farbspritzen unterwegs. Likoh erzählte, dass Holi gefeiert wird, weil Rama nach 40 Jahren aus dem Wald zurückkommt. In der Zeitung steht, dass an diesem Tag die Hexe Holika verbrannt wird, die einen Prinzen ins Feuer werfen wollte, weil er Krishna anbeten wollte. Ob nun Rama und Krishna das gleiche sind (also Reinkarnationen) oder ob da was verwechselt wird – keine Ahnung. Es scheint ein Anlass der Freude zu sein, Frühling, Farben, Spaß und Alkohol nicht zu knapp. Mich erinnert es an Winterverbrennung und Faschingstreiben. Die Bäume blühen, z.B. die großen Azaleen, auch bunte Zapfen an Nacktsamern, Wiesenblumen, Büsche mit Spiralblumen, Rosen, Dahlien, Gladiolen. Die Bäume sind nun alle liebevoll mit roten und gelben Schals umwickelt. Am Samstag habe ich vor lauter Aufregung weil Heinrich kommt, 2 Unterrichtsstunden verbaselt, aber nicht vergessen, am Open forum teilzunehmen: Alle Schüler mußten daran teilnehmen und es waren die hier heißen Themen Großdamm, Landvertrag mit Bngladesh und Schwarzgeld-Korruption vorbereitet worden. An den beiden ersten habe ich teilgenommen: es sollen im gesamten Brahmaputratal mehrere Großdämme zur Wasser- und besonders zur Stromgewinnung gebaut werden, dabei werden in Assam nur etwa 2000 MW Strom verbraucht, die überwiegende Mehrheit des Stromes wird für „Mittelindien“, wie man das nennt, hergestellt. Der Brahmaputra ist absolut die Lebensader von Nordost, es gibt gar nichts, was nicht am Fluß hängt. Eine Austrockung des Flußes, wie es in den ersten Jahren nach einem solchen Dammbau üblich ist, ist eine glatte Katastrophe. Außerdem ist hier eines der großen Erdbebengebiete, da die tektonische Platte Indien in den Himalaya hineinschiebt und ihn damit jährlich um 2-3 m wachsen lässt. Das Brechen eines solchen Dammes würde Hochwasserwellen von 5-6 m auslösen, was einem Tsunami gleichkäme. Entsprechend sind in Assam und Nordost alle gegen diese Dämme und empfinden es als undemokratisch, dass sie nicht beachtet werden. Allerdings hat der Nordosten nur 8% der indischen Bevölkerung, und der Rest braucht Strom. Der Vortrag war von 3 Jungens vorbereitet worden, die das ganze engagiert und spannend vorgetragen haben, die Gruppe hat etwa zu einem Drittel mitdiskutiert. Hintergrund des Open-Forums ist natürlich diese Studenten auf politisch kontroverse Situationen vorzubereiten und sie dafür zu interessieren. Aber schon das Wort „my opinion“ (meine Meinung) kommt hier kaum einem über die Lippen. Am liebsten antworten meine scheuen Studentinnen „it seems to be a little difficult“. Bei dem Landvertrag mit Bangladesh wurde ohne große demokratische und parlamentarische Debatte mit dem ungeliebten und bettelarmen Nachbarn beschlossen, dass die Banglas aus gewissen Enklaven über indisches Territorium zu anderen Teilen Bangladeshs passieren dürfen. Da nun Banglas in großen Zahlen illegal nach Nordost und besonders Meghalaya einwandern ist natürlich die Angst vor einer „Überschwemmung“ durch die Hungerleider sehr groß. Von einem „die müßte man alle ins Meer treiben, geht uns doch nichts an, was die machen, die sollte man alle aufkaufen“ bis zu „es sind arme Brüder und Schwestern“ gab es einfach alle Meinungen und es war sehr emotional. Die Vortragenden waren der eloquente Bruno und ein stummer Junge und 2 muslimische Mädchen, die sich an dem Thema komplett verhoben haben, denn natürlich ist das hier auch ein Religionskonflikt. (Bei der Unabhängigkeit 1947 wurde West- und Ostpakistan gegründet und dorthin sind die Muslime von den Hindus hingejagt worden. Diese Flüchtlinge haben alles Hab und Gut verloren damals. Man haßt sich seit diesem Blutbad gründlich. Aus Ostpakistan wurde dann Bangladesh. Das ihenen zugewiesene Land war das ungeniessbare Wüstengebirge im Westen „Pakistan“ und im Osten das Überschwemmungsdelta „Bangladesh&ldquo. Die Beteiligung war sehr wenig konstruktiv. Heinrich kam am Samstagnacht zurück. Er hatte noch mit Fr. Mathew eine neue Schule lokalisiert und ausgemessen. Sein PC ist defekt. Wir sind – Gott sei Dank – beide gesund und munter. Es ist schön, dass er jetzt wieder da ist, es war doch ein bisschen einsam manchmal, so bei Stromausfall im Dunkeln abends ab 18h. Mit wem soll man reden? Beim Rundgang über das Gelände zeige ich ihm die Baufortschritte. Bei Icard ist ein kleines etwa 5jähriges Mädchen angekommen, die sich den ganzen Tag um den kleinen Joy von Lolima kümmert. Sie hat ihn auf dem Rücken geschnallt und schleppt ihn hinter den vielbeschäftigten Weberinnen her. Es wird erzählt, dass Lolima beim letzten Besuch in ihrem Dorf das Mädchen, dessen Mutter tot sei, einfach angehängt worden sei. Offensichtlich wird sie in einen staatliche Schule geschickt. Wir wissen noch nicht, wie es weitergeht, die Einreisegenehmigung noch Arunachal Pradesh steht noch aus. Ich mache noch meinen Unterricht für die 2. Semester. Ausserdem gehen wir noch mal shoppen. Maram hat Heinrich 1 kg von dem hier fast unerschwinglichen Basmati-Reis geschenkt. Wir kaufen für Heinrich einen Märchenprinz-Mantel (Sherwani). Wir kaufen Tee (1 kg Spitzenware 6&euro Ayuveda-Sachen, wir holen von den Schneidern verschiedene Teile ab, darunter den bestellten Talar und meine Märchenprinzessinnenkleider. (Ja. Es ist so. Ich habe 60 Jahre dagegen gekämpft und mich erzogen, grau und blau schön zu finden. Und hier ist von dem wenigen und mühsam anerzogenen europäischen guten Geschmack nichts, aber auch gar nichts übrig geblieben. Aus mir heraus gebrochen ist ein kleines Mädchen, das rosa Glitzer mag. Einfach so.) Wir entschließen uns, ein Abschiedsessen zu finanzieren. Auf die Frage an Probin, ob wir lieber Kuchen oder Dessert kaufen sollen, wünscht der sich Fleisch. Also finanzieren wir 20 kg Hühnchenfleisch - etwa 20 Hühner werden dafür ihr Leben lassen müssen. Während dieser Einkäufe öffnet Kopessa mir ihr Herz. Sie ist jetzt ungefähr 35Jahre – sie weiß es nicht so genau. Sie hat keinerlei Schulausbildung, obwohl sie brauchbares Englisch spricht und auch ganz gut rechnen kann. Sie ist die Älteste zu Hause. Ihr Vater ist 2004 an „Herzeleid“ über seine jüngeren Söhne gestorben. Besonders einer dieser Brüder macht großen Kummer. Mit 16 ist er Vater von Jenny geworden, deren Mutter mit 17 das Kind verlassen hat. Seither kümmert sie sich um Jenny, die jetzt irgendwo in Don Bosco wohnt. Aber allein in diesem Jahr hat er schon 2 schwere Unfälle mit über 50 000 RPs Schulden gemacht. Im letzten Jahr hat sie ihn mit mehr als 30 000 RPs unterstützt. Sie verdient für die Küchenarbeit 2000 pro Monat. Wenn sie nicht unterstützt jammert die Mutter. Sie macht neben der Küchenarbeit noch dieses kleine Lädchen, wo ständig welche kommen, die ein paar Sandalen, eine Kappe oder ein Tuch wollen und kein Geld haben. Sie zahlt im Monat dafür 700 RPs plus Strom. Die anderen Küchenmädchen sind nun viel jünger und verstehen sie nicht. Sie fühlt sich elend einsam. Auch die Gespräche mit Mercina, die ebenso wie Pingano eine der großen Sprachlosen in der Klasse ist, sind erschütternd. Seit 6 im Internat, ganz selten kommt mal was von den Eltern und dann sind es überwiegend Forderungen. Eigentlich gerade für diese stillen Mädchen auch wenig Kontakte und tiefe Freundschaften. Eigentlich weint man viel, lange und einsam. Sie erzählte, dass sie mal zu Unrecht eines Diebstahls verdächtigt wurde und obwohl es ausgeräumt werden konnte, war die Schwester ab sofort ein Drache und sie das Lieblingsopfer. Ob sie vorher schon schweigsam war???? Alicia will mich mal drücken, hängt an mir, lässt gar nicht mehr los. Sie hat geträumt, dass sie die Zahnbürste mit ihrem Ex-Freund teilt. Sie darf ihn nicht lieben, er ist Muslim. Er ist der einzige, der ihr nahe steht, aber die Familien sind dagegen. Meine Interpretation, dass es was sexuelles bedeuten könnte, läßt die Tränen laufen.
13.3.12 12:22
 


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