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an der Grenze zum Schluß

 

24.3.2012

Wir fahren ab jetzt nur noch westwärts. Borman bringt uns die 2500 m wieder hinunter, die Straßen sind scheußlich schlecht, wir fahren stundenlang durch die abgebrannten Wälder. Wir erreichen die Grenze nach Assam, damit auch die besseren Straßen, die endlosen Teeplantagen mit den Reisfeldern, den Brahmaputra und die Ebene. Gegen Abend erreichen wir Tezpur, kommen gerade zum Kreuzweg-Gebet, übernachten in Bischofs Haus, treffen den Bischof aus Itanagar, der uns im Juni besuchen will. Wieder bekommen wir Schals und Tee geschenkt. „Vergeßt uns nicht, vergeßt uns nicht“. Wir telefonieren mit Fr. Benny, Fr. Mathew und Fr. Jerry und sagen Good Bye.

25.3.2012

Wir verfahren uns in Guawahati, der dreckigen Stadt, geben die indische SIM-Card bei DB ab, bezahlen unser Auto. Wir haben in 10 Tagen mit Fahrer 30 000RPs verbraucht, dazu noch Trinkgeld für den Fahrer, das ist supergünstig gewesen. Dann Flughafen Guawahati: Sicherheitskontrollen zum Lachen, aber tot ernst durchgeführt, Schlange stehen, abstempeln, warten, fliegen, ankommen, Gepäck suchen, Sicherheitskontrollen, Schlange stehen, warten. Kolkata Brose-Flughafen ist einfach kalt, sehr kalt, aber diesmal sind wir mit  Naga-Shawls gerüstet, sortieren Bilder, schreiben Bericht. Wir warten von 5 h nachmittags bis 2 h nachts,  treffen eine deutsche Familie mit 4 Kindern, die auch ein halbes Jahr in Sikkim waren. Aber alles läuft glatt, funktioniert. Nun sitze ich nur noch 1 Flugstunde von Frankfurt entfernt im Flieger. Bald sind wir wieder daheim.

 

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25.3.12 21:18


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23.3.2012 an der Grenze


Gestern hat uns der Fahrer Borman von Yachuli nach Ziro gebracht, wo wir die „Frontier English School“ auch bald gefunden haben. Unterwegs: umgekippte LKW mit gebrochener Achse. Kinder spielen mit Zwackel und Reifen und Feuer, Männer tragen immer  große Messer und Schwerter, stundenlang durch Brandrodung fahren, große Kiesel überall, Körbe werden geflochten, kleine Hängebrücke

 

 Ziro heißt ein zusammengewürfeltes Dörfer Konglomerat, aber eigentlich sind wir im Ortsteil Hapong. Es ist eine unangenehme Ansammlung von Wellblechbaracken und wir fragen uns warum wir hier sind.  Tachang Leegam ist Besitzer und Vorsteher dieser Privatschule. Er ist sehr selbstbewußt und stellt seine Awards, Preise, seine musikalischen, sportlichen, intellektuellen Leistungen sehr beredet dar. Die Schule ist ordentlich und sauber, 500 Schüler  70 Angestellte, beste Referenzen, Und das hier an der Grenze. Erst mal denkt man an die chinesische Grenze. Man sagt hier aber nicht chinesische Grenze sondern tibetische Grenze. Das bedeutet, dass man die Annektion von Tibet nicht akzeptiert hat. Dann fährt er im eigenen Auto – mit Heizung, wie angenehm - los mit uns, wir kommen wo anders hin, das nennt er nun Ziro, aber dann auch wieder anders, es ist verwirrend. Paläste, neugebaut tauchen vor uns auf. „Meine Freunde“ nennt er die Bauherren und sie sind Polizei- Forst- und Agrarbeamte. Er fährt mit uns zu einem hochgelegenen Spielplatz – warum? – und macht Fotos, warum? Er spricht sehr gutes Englisch, prahlt mit seiner Tochter, die ein Hochbegabten-Platz bekommen hat. Er zeigt uns 7-8 Dörfer. In einem besuchen wir die Schwester seiner Frau. Das Haus ist geflochten, aber die Frau trägt teure Stoffe, doppeltgewebt. Er spricht nicht mit ihr, sie macht Tee. Er redet auf uns ein, er versucht uns etwas zu vermitteln, das wir nur ungenau verstehen. Wer in dem Haus lebt? Nun nur sie allein, nein, auch ihr Mann und die Kinder, nein, die sind woanders. Alles ist unklar. In seinen Gesprächen geht es um Jesus und um Donipelo, den es angeblich gar nicht gibt. Das sei alles hochgestochen worden, um die Christen draußen zu halten.

Es gäbe eine Regel im Stamm, dass für einen gefällten Baum 4 neue gepflanzt werden müssen, wir sehen Aufforstungen, alles schnelle Pinie, er ist ganz stolz darauf, macht Fotos. Er ist schon mit 14 vom Stamm weggekommen, weil der jüngste Onkel ihn zu den christlichen Schulen geschickt hat. Deshalb ist er nicht tätowiert. Dabei hat die Leberlesung gesagt, dass er „enchantig priest“ werden soll. Aber er wollte unabhängig sein. Deshalb ist er nicht in den Staatsdienst gegangen wie alle anderen. Er fährt uns in „sein“ Dorf Hong. Auf einer Plattform sitzt ein alter Mann und schimpft auf uns ein, alle kämen nur zum Knipsen, Geld würden sie keines dalassen. Er zieht kleine Bambusfäden und poliert sie. Leegan beruhigt ihn und gibt im 50Rs. Aus den Reiseführern sind die Bilder der Apatani-Frauen bekannt mit ihren hässlichen Tätowierungen und ihren schwarzen Knöpfen in der Nase.  Die Apatani-Frauen seien die schönsten unter den Stämmen, deshalb seien sie häufig gestohlen worden. Da habe man sich entschossen, sie zu verhäßlichen, um sie zu schützen. Frauen seien sehr gut geschützt, wenn ein Ehemann ihr Unrecht täte oder sie betrüge, dann kämen die Brüder und wurden ihn bestrafen.  Wir sehen die italienische Reisegruppe herumknipsen, ca 15 Leute. Dann zeigt er uns alte Häuser „my house“ und leere Plätze „my house“ und Männer „my brother“  oder „from same mother“ und Frauen „my sister in law, no, the auntie of my brother in law“…. Wir versuchen eine Weile uns Gesichter zu merken, aber es ist draußen regnerisch und innen stockdunkel, nur ein Feuerschein von der zentralen Feuerstelle erhellt ungenau die Gesichter, die alle freundlich sind. Er redet und redet, es ist kaum möglich, mit anderen irgendwas zu kontaktieren, obwohl wir uns bemühen. Er gehöre doch zu dem Stamm, dass müsse Christus doch verstehen, wir wären doch auch Deutsche.  Ein Mann fängt plötzlich an, Palmwedel zu schwingen und zu singen. Man zeigt uns Babo, hohe Stangenmit oberen geschmückten Querbalken, die aufgebaut werden zu diesem Fest. Man erklärt uns die Hochzeitszeremonie der Aptatani: Bräutgameltern lesen Leber, bei positivem Befund Übersendung der Leber an Brauteltern, oder umgekehrt. Dann Besuch, Gegenbesuch, Geschenke ausgetauscht Kalabassengriffchen müssen gerade sein, dann übergibt der Bräutigam ein Schwert (wenn ich was Blödes mache, könnt ihr mich erschlagen) und die Brauteltern übergeben einen Schal (du stehst  unter unserem Schutz) dann zusammenziehen ins Haus des Bräutigams, dann Hausbau und Nestgründung, alle helfen mit, Bräutigameltern übergeben Mithun und 6 Lakh,die Brauteltern eine Reisernte. Dauert bis 10 Jahre.

Wir ziehen zu anderen Häusern „my brothers sisters in law house“, dort hat es zwei Feuerstellen, wir treffen einen sehr alten ca. 90jährigen ganz verkohlten und rußigen Mann, der den ganzen Winter nicht draußen war. Vor den Häusern aus Bast geflochtene Ständer, das seien Gegenstände für Pujas, auch leere Eierschalen, die aufgespiesst sind, seien Pujas. Wir sehen auf den nicht mehr bebauten Reisterassen aus Bambus gefertigte  Feldaltäre und zwischen den Häusern Baumaltäre an denen Schweine geschlachtet werden sollen. Drei Schweine liegen gefesselt, ein weiteres wird allein für diese Familie erwartet. Das Fest mache „Kopfschmerzen“, häufig eine Umschreibung für finanzielle Probleme. Eier werden als Opfergabe verwendet.  Hinten am Haus hängt ein geschlachtetes Rind. Viele Gäste werden erwartet, die anderen Dörfer kommen zu Besuch. Dass sie sich gegenseitig besuchen ist Pflicht „ererbte Freunde“. Man muss sie beschenken, früher mit Schweinespeck. Heute auch mit Geld „very difficult, very difficult“. Wir bekommen  Fleisch angeboten, der vollkommen überwürzte Schweinespeck ist jetzt in kleine Würfel geschnitten. Aus Bambusröhren wird eine Pastete aus Hühnerleber und Eiern herausgeschält. Immer wieder selbstgebrautes Bier. Ich bin durstig, aber ich mag es nicht trinken, es schmeckt wie abgestandenes Malzbier. Während er uns erklärt dass er ein Entscheidungsträger seines Stammes ist, kommen draußen lange Menschenketten vorbeigezogen. Alle Männer des Dorfes laufen mit Palmwedel und rufen Ho ho ho. Die Väter haben die Kleinkinder aufgeschnallt. Wir gehen zu der Plattform. Er erklärt dass ein solches Lapan nicht von Frauen betreten werden darf, weil es eine öffentliche Versammlungsstelle der Männer ist, während er das sagt, scheucht er mich nach oben. Vor uns ein ca. 1 m hohes und 6 m langes Häuschen Debrlano,, um das sich die Männerprozession versammelt, ihre Palmwedel dransteckt, stampft und hüpft. Irgendwas passiert drinnen, die Italiener drängeln, ich bleibe mit Abstand. Nach einer ganzen Weile wird ein geköpftes Ferkel herausgetragen und der Schamane kommt hinterher, läßt sich geistesabwesend von allen fotografieren. Man betrachtet die Schweineleber und diskutiert heftig. Wir sind im Haus des Priesters eingeladen, ach wie gerne würde ich mit ihm diskutieren, aber Leegam läßt keine Frage durch, beantwortet alles selbst, der alte Herr ist auch gegenüber den anderen schweigsam. Dieses Myokofest geht mehrere Tage. Sein Sinn ist die Erneuerung der ererbten Freundschaften zwischen den Dörfern. Wenn irgendwelche krummen Dinge passieren (Mithunn tot, Frau verschwunden, Reis geklaut…..), kann niemand mehr ungeschützt in die Nachbarregionen gehen sondern wird sofort geschlachtet. Aber man kann versuchen das Haus eines ererbten Freundes zu erreichen. Das sind so eine Art Botschaften mit sicherem Territorium, dann kann man versuchen, etwas auszuhandeln, eine Art „local insurrance“. Es ist ein teures Fest, die Gäste werden mit Bier und Schweinespeck, dem Wertvollsten bewirtet, und sie bekommen Geschenke, die äußerst kostspielig sind. Am Tag zuvor werden zwischen den ca. 10 m hohen Babos Seile gespannt, an denen die jungen Burschen ihre Kletterkünste zeigen. (Herumwirbeln des Körpers auf dieser Höhe!). in der heutigen Zeit ist das Dorf weitgehend leer, alle arbeitsfähigen Menschen sind unterwegs in den Städten, im Dorf sind die Alten und die Frauen, einmal, zweimal im Jahr kommen sie dann alle, führen die Zeremonien auf. Der Nibu, der Priester ist oft allein. Wie soll es weitergehen. Leegam ist der leibhaftige Spagat zwishen Tradition und Moderne. Er ist tiefgläubiger Christ im heidnischer Verantwortung. Das Verteilen des Ferkels unterliegt genauesten Regeln, die der Oberpriester alleine gar nicht durchsetzen kann in der wilden Männergruppe (Neulich haben die Jungens hier das Obermithun der Polizei geklaut und geschlachtet und gefressen!!!)

Dann muß einer den Affen am Vortag fangen und schlachten, der Affe gilt als Gott.

Der Affe wird gefangen und geschlachtet, der Affenschädel in das kleine Zeremonialhaus (Debrlano) gelegt. Durch das Stampfen soll in dem Affenschädel das Blatt und das Blut wackeln, das sei das Zeichen für einen gelungenen Festverlauf. Wenn niemand krank wird, dann ist das Fest gelungen, dann sind die Freundschaften stabil. Die Schweine-Leber wird gelesen und länger diskutiert.,
Einen Gott, den man anrufen könnte in der Not, hätte es früher gar nicht gegeben, der Priester ruft die Ahnenreihe an. „enchanting priest“ nenne sie das. Eigentlich ist der Donipelo so eine Gegenbewegung zu den anderen Religionen, Apatani glauben an ahnen und Geister, nicht an Götter.
Wir sind an der Grenze: zu China oder zu Tibet? An der Grenze unseres Verständnisses und unsres Wissens, unserer Religiosität. . An der Grenze der Zeiten und der Welten, die hier aufeinanderstossen und es ist deutlich, dass diese Menschen den Spagat schaffen werden zwischen den Welten und Zeiten. Wir bleiben bis lange nach der Dunkelheit im Haus des Nibu. Sie bezeichnen sich als mongolische Stämme. Dann fahren wir zurück nach Halong zu Leegams nach Hause.
Wenn man das Schulhaus auf der Rückseite betritt, ist man im Privathaus. Gegenüber ein gerade gestartetes Kindergartenprojekt. Er ist 48J. Zuerst führt man uns in einen Raum, der offensichtlich nicht bewohnt ist, sondern nur den Awards und Fotos dient. Bilder von seiner Familie und dem sehr berühmten, gerade verstorbenen Hazarika hängen da „bester Freund“. „Erster in Arunachal“ der einen Film gedreht hat, erster in…..,  einziger in…., seine Frau beste von……, seine Tochter  super in……Seine Frau Ania hat schon mit dem Mittagessen auf uns gewartet.
Lieder von Liebe „Wie sie sein soll“, ganze Familie ist musikalisch. Es gibt 3 kleine Kinderzimmer, überall Keyboard und Gitarre. Auch hier kommt Besuch, ein älterer Mann, der Speck und Bier bekommt. Es wird auch hier das Salz angeboten, das aus einer Pflanzenasche heraustitriert wird. Auch hier sind am Ofen gestelle, in die man die Bambuspasteten stellen kann, hängen geräucherte Därme Das Feuer in diesem Wohnraum ist in einem Ofen, aber an der Wand hängen auch die Ritualschwerter. Es gibt ein Dienstmädchen hier, die 2500 RPs bekommt. Ania spricht gut englisch und arbeitet ganztägig im Agricultur-Dept. Die Leute sollen anderes als Reis anpflanzen: Blumenkohl, Paprika, Tomaten, Karotten, Kartoffeln, Kiwi werden gefördert, bisher haben sie an Gemüse nur Senfblätter angebaut. Wir kriegen – sehr selten hier – mal Rohkost zu essen. Strom sei stabil hier, aber die Wasserversorgung bricht ständig zusammen. Tatsächlich pflanzen sie immer weniger an, die Häuser sind leer, die Menschen wandern in die Großstädte, in 2 Generationen ist das ganze untergegangen, sie wissen es, sie leiden darunter, sie machen mit.
Das Wetter bleibt regnerisch und kühl, wir erreichens ehr spät die hiesige Gemeinde, Fr. Xavier hat eine einfache Kammer für uns, aber 2 Betten und warmes Wasser zum Waschen.
Morgens sehen wir seine Schule, die Kinder machen zur Trommel kleine Tanz und Bewegungsübungen, 500 Kinder, die Jungens verlassendie Schule mit 14 und sind nicht mehr zu beschulen. Die müssen „ den Urwald im Bauch haben“. Die Konvertiten seien sehr gläubig, besonders der Rosenkranz spiele eine entscheidende Rolle, ein Auto, das mit Rosenkranz verunglückt bleibt ein großes Rätsel. „Sie spüren ihre sterbende Kultur und fühlen die Leere, die sie hinterläßt“
 

24.3.12 02:51


Kinderverkauf und die Abfahrt von Bomdilla

Kap19.3.2012 Die Abfahrt von Bomdilla verlief unproblematisch. Wir fahren auf diesen abenteuerlichen Straßen bergauf und bergab, wie es die Landschaft vorgibt. Hier sieht man an den hohen Hängen noch sehr viel „Djungle“, wie man ihn sich so vorstellt. Die Häuser an den Straßen wie üblich Bambusgeflechte, nur selten mit Lehm verschmiert, überall Holzsammler. An einer Stelle treffen wir einen Monpa-Mann mit einem traditionellen Hornbill-Hut, der zu einem Nachbardorf zu einem Fest gehen will. Am Straßenrand steht mal wieder ein „Local truck“, wie hier die selbstgebauten Seifenkisten genannt werden. Wir halten noch mal bei den Straßenarbeitern, die hier in Arunachal über 4000 RPs verdienen, also so viel wie die Lehrer in Assam. Der Abschiedspunkt von Antoni nähert sich, der zurück nach Assam will. Er kauft zu unserer Nervenberuhigung eine blöde Landkarte, auf der alle Städte andere Namen haben als in Wirklichkeit, dann steigt er in Balipara/Asssam aus und wir sind mit dem nur assamesisch sprechenden Borman allein. Die Straßen hier im Tal sind ganz unglaublich staubig, man sieht die Wege oft nicht. Wir müssen wieder durch einen Checkpoint zurück nach Arunachal Pradesh. Dann fährt er auf einer großen Schleife nach Itanagar, was uns verärgert. Es stellt sich später heraus, dass der von uns angeordnete viel kürzere Weg als unsichere Straße bezeichnet wird. Es geht eine Weile mit der Unterkunft hin und her, offensichtlich sollen wir nicht beim Bischof schlafen. Es wird dies und das diskutiert, letztendlich landen wir bei den Salesianern, die hier eine Kirche St. Mary betreiben. Das Haus ist blitz neu, erst ein Jahr alt, es ist sauber, mit Wasser und Internet und Essen. Beim Abendessen zeigt man uns die neuen Kirchenpläne: ein großes Gebäude für 700 Menschen, die jetzt noch in eine kleine Wellblechkirche in 4-5 Messen gehen. Man sammelt Geld. Es wird erwähnt, dass die meisten der hiesigen Projekte von Deutschland massiv unterstütz werden, dass viele „generos German“ hier bezahlen, was die Inder eher verwundert. Der alte Fr. Tom Kar, 75, mit einem Auge, das bei einer Katarakt –OP zerstört wurde, mit einem Magengeschwür und schmerzenden Knien und Rücken ist der Senior. 20.3.2012 Fr. Polykarp,38J., ein College-Lehrer – Mathe, Chemie, Physik und Ethik -aus Orissa übernimmt unsere Führung. Er erzählt, dass in seinem Dorf seine Familie die einzige Christenfamilie war. Manchmal kam der Pfarrer vorbei, das hat ihn sehr aufgewertet. Der hat dafür gesorgt, dass er als einziger Junge seines Ortestin die Schule ging, das waren 20km Schulweg, die er täglich lief, inzwischen ist er Dr. phil. Orissa ist 20mal ärmer als AP, der ärmste der indischen Staaten und bekommt keinerlei Unterstützung vom Zentrum. AP hat durch die Grenznähe den Vorteil der massiven Unterstützung. Man spürt, dass er wütend darüber ist. Die Väter müssen genau wie alle anderen jährliche Per,ots zahlen und da sie einen öffentlichen Dienst verrichten sind sie darüber ärgerlich. Sie sind offensichtlich hier nicht wertgeschätzt – wie in Manipur, Nagaland o.ä. Die starke Gegenströmung kommt von der Regierungsseite her, die eindeutig dem Hinduismus bevorzugen möchte, es gäbe hier auch sehr viele fanatische Hindus, die christliches Eigentum zerstören und die Christen bedrohen. Bei dem Gespräch stelle ich fest, dass der lokale Gott hier wieder Donibello ist, der gleiche, den auch die Mishings verehren und der sich in Sonne Mond und Sterne offenbart. Die Einheimischen sind also weder Hindus noch Christen noch Muslime sondern „Animisten“ wie das bei uns so heißt und es gibt eine wilde Schlacht, zu wem sie gehören sollen. Die Katholiken hätten die meisten Probleme, weil sie mit dem Schulbau am tiefsten eingreifen . Andererseits senden alle Regierungsmitgleider ihre Kinder in deren Schulen, weil die anderen nichts taugen. Der jetzige Ministerpräsident – nach dem verunglückten Buddhisten – ist nun auch ein Katholik, da hoffen sie auf bessere Bedingungen. Da Polykarp seine Dr-Arbeit über Geschichte und Ethnologie der Gegend geschrieben hat, besuchen wir als erstes das Museum, 2010 eingeweiht und sehr hübsch gemacht. In vielen Teilen erkennt man die Kopie des Don Bosco-Museums in Schillong, z.B. in der Präsentation der Trachten. Der obere Stock wartet noch auf den Ausbau. Anders als die Saris werden die Kleidungsstücke hier alle geschneidert und genäht und nicht nur gewickelt. Der zweite Punkt der Rundreise ist der Besuch beim Bischof John Tom, der mitten im Umzug ist und der für uns die Permits besorgt hat und die wir bezahlen müssen. Er will dafür 150€ haben, die Vorinformation war 300€, im Reiseführer stand was von 75€, andere Informationen erzählten was von 500€, es stellt sich raus, dass sie auch manchmal ganz umsonst sind. Allein an einem solchen Detail wird klar, wie willkürlich „wild life“ dieser ganze Staat ist. , hier ist alles unklar. Bp Tom erzählt gerne und viel „kostet ncihts“ spotten die Frs. Aber uns amüsieren die Geschichten. Da ist z.B. ein Junge mit einem Motorrad ohne Bremsen von einem Berg heruntergekommen und an einer Kreuzung gegen 3 Trucks gestützt. Die anderen sind weggefahren, der Fr. in einem Truck hat ihn ins Krankenhaus gebracht, hat die Eltern verständigt. Als der Junge dann starb, ist der Clan des Jungen mit Messern aufgetaucht und wollte von dem Fr. eine Entschädigung, ein neues Motorrad und einen neuen, gleichaltrigen Jungen. Es wurde sofort mit Waffen gedroht, die äußerst gefährlich waren. Endlich wurde der Clan mit 100000 Rps = 1000€ abgespreist. Die Begründung des Clans war: wenn der Fr. gar nicht da gewesen wäre, dann wäre der Junge vielleicht noch am Leben, dann wäre da ja eine Lücke gewesen, durch die er hätte fahren können. Es ist ein schwieriges Arbeitsumfeld und Bischof Tom erzählt ganz offen, dass er eine Schlägertruppe braucht, die gelegentlich Forderungen abwehrt. Die Hindus hätten aber mit dem Ramakrishna-Hospital (Ramakrishna ist eine soziale Organisation der Hindus) das einzig vernünftige Krankenhaus in AP. Allerdings seien die Leute hier kaum bereit, in ein Hospital zu gehen, da müsse man sich an Regeln hälten, das wäre nicht ihre Sache. Die Nonne Mercy kommt auf einen Tee herüber und erzählt „lustige“ Patientengeschichten. Bei der letzten Wahl hätten sie sich so gekloppt und geschlächtert, dass die Schule geschlossen werden musste und alle Fr. in der kleinen Dispensery helfen mußten. Die haben dann die Schädel rasiert und verbunden, während sie die ganze Zeit über Plätz- und Schnittwunden genäht habe. Ein Mann habe seiner Frau ein riesiges Stück Fleisch aus dem Arm gebissen und sie dann gezwungen, das Stück Fleisch wieder in den Arm zu nähen, es habe funktioniert, die Frau lebe noch. Ein anderer Mann habe seine Frau so geprügelt, dass das Auge heraushing, sie habe es wieder eingenäht. Vor der Messe (früh) hat ein Mann mit einer Kapuze vor der Kirche geschlafen. Er hatte eine klaffende Schnittwunde von Nase zum Ohr, er hat die ganze Nacht gewartet und war vorher 2 Tage gelaufen. Da hat sie innen und aussen genäht, er blieb am Leben. Ein Junge hatte einen Bandwurm, der aus der Nase rauskam, er lief 5 Tage zu dieser Gesundheitsstation. Eine Frau hatte ein festsitzendes Insekt im Ohr. Niemand hatte eine Lösung, da kam die Putzfrau, befeuchtete ein paar starke Tabakblätter und tropfte diese Brühe in das Ohr, das Insekt starb und konnte rausgeholt werden. Würmer die aus den Augen und der Nase kommen. Ein Mann habe starke Kopfschmerzen und wollte eine Injektion. Dann beschimpfte er die Schwester, dass sie ihn in den Po gespritzt habe, er habe doch Kopfschmerzen. Also stach sie ihn noch in den Kopf. Einmal hat sie einen Gastognemicusmuskel angenäht und mit viel mühe die Wade repariert. Dann ist der nach Hause gegangen und kam am nächsten Tag mit erneut abgerissenem Unterschenkel zurück, da musste sie noch mal nähen. Einmal war ein Arzt auf der Station, der hat dann den Patienten zum Röntgen und ins Blutlabor geschickt. Da sind die Patienten sehr wütend gewesen, weil der Arzt gar nichts weiß, sondern nur die Leute rumschickt. Wenn eine Behandlung nicht anschlägt oder ein Patient stirbt, ist die gesamte Gruppe in Lebensgefahr. Sie ziehen sofort das Messer und hauen drauf. Es gibt keinerlei geregeltes Rechtssystem sondern nur das Recht der Faust. Der größere Stamm gewinnt. Jeder Konflikt geht für Fremde übel aus: „Warum hat dein Auto da überhaupt gestanden?“ wäre die Begründung, warum der Fremde zahlen muß, wenn der Einheimische dessen parkendes Auto schrammt. Man muß dann sofort bezahlen, wer es nicht tut, muß mit der weitgehenden Vernichtung seines Besitzes als erster Maßnahme rechnen. Immer wieder wird die ungeheure Kampfeslust betont. Sie müssen „milder and cleaner“ werden. Auch Fr. Polykarp berichtete, dass er mal eine ganze Nacht im Busch gesessen habe, weil man ihm das Haus abgesägt habe. Natürlich erzählen sie auch, dass die Menschen gastfreundlich, nicht berechnend, offenherzig seien. AP hat etwas über 1 Mio Einwohner, die in der Mehrheit zu der mongolischen Rasse gehören und auf uns „Tibetisch“ wirken. Danach besuchen wir einen großen, schönen buddhistischen Tempel in einer großen sauberen Gartenanlage, neu renoviert. Der Ausflug zu einem Teich auf einem Berg mit Paddelbooten und Tretbooten, einem großen Spielplatz, einem Schwimmbad. Aber auch hier viel Vandalismus. Dort hören wir plätzlich Geräusche wie bon einem Feuerwerk. Es stellte sich heruas, dass es explodierender Bambus ist: die umliegenden Berge werden gerade abgebrannt. Beissender Geruch, Qualm und Gestank ist in der Luft, die wie eine Milchsuppe dicht ist. Ich bin so traurig, wie der Wald hier vernichtet wird. Überall sieht man die kahlen Kuppen, die abgebrannten Hänge. Überall Geruch wie von „Kartoffelfeuer“, man sieht an manchen Stellen die Hand vor den Augen nicht. Als letztes besuchen wir ein Dorf der Nishi „unsere Leute“, d.h. Katholiken. Auch dieses Dorf ist umgeben von brennenden Hängen, die geflochtenen Häuser stehen auf brandgerodetem Boden. Wir werden in ein Haus eingeladen, klettern den Pfahlbau nach oben, stehen in einer „Loggia“. Das Haus ist nicht klein, in der Mitte wie bei den Mishings eine Feuerstelle mit darüber hängendem Geschirrregal und Matten am Boden. In der Ecke steht aber auch ein „richtiges“ Bett, ein Fernseh und eine Kochstelle mit Gas. Die Frau ist ca. 45 J. und trägt einen trisomiekranken ca. 4 jährigen Jungen. 2 kleine Mädchen laufen noch herum, von dem brennenden Berg kommt ein ca. 13 jähriger Junge freudig erregt dank des „schönen Feuers“. Insgesamt hat sie 7 Kinder. Wir beten für das kranke Kind und legen die Hand auf. Krankheit ist ein Hauptgrund, den Priester zu rufen. An diesem Abend muß Polykarp noch zu 3 weiteren Kranken um mit ihnen zu beten. Insgesamt 70 Familien gehören hier zu dieser kleinen Herz-Jesu-Kirche. Diese Familie baut gerade ein neues Haus aus Stein, man sieht, dass sich die Frau auf diese Verbesserung freut und der romantischen Bambushütte keine Träne nachweint. Auf die Frage, von was so ein Steinhaus bezahlt wird, „einige Subventionen vom Staat“. Es herrscht inoffizielle und ungeregelte Polygamie, das gäbe auch viele Kämpfe. Der hiesige Ehemann arbeitet für die Stromversorgung. Als letztes besuchen wir eine kleinere DB-Schule, in der Fr. Cyriak 200 Kindern und 4 Lehrern vorsteht, er zeigt ein PC-Labor und 2 Schulräume. Danach besuchen wir noch die „große“ DB-Schule mit 1000 Schülern und einem großen Jungens-Hostel. Diese Woche werden in ganz Indien Examina geschrieben, was den Schulablauf verändert. Nur wer diese Examen besteht, kommt eine Klasse weiter. Die Hostel-Jungen johlen im Haus herum weil sie einen Wissensquiz machen. So harmlos nett seien sie hier nicht, die Jungen würden saufen und raufen, das wäre schon gefährlich. Cyriak wird rausgerufen und muß ein Auto segnen, es herrsche ein tiefer Glaube/Abergkaube, Erfreulicherweise haben wir Internet, die Fr. haben Bier und Wein besorgt, es wird ein netter Plauderabend. Alles für die Weiterreise ist – wie üblich – gut organisiert. 21.3.2012 Wir fahren zurück nach Assam auf die gut ausgebaute HW 52 und kommen durch den nächsten Check-point wieder nach Arunachal, um dann die Berge hinaufzufahren. Weiße Milchsuppe verhindert jede Sicht auf die tiefen Täler oder die hohen Höhen, man sieht eigentlich nur abgebrannte Felder. Am Checkpoint steigt ohne weitere Fragen eine ältere Lehrerin zu, die von uns nach Lichi mitgenommen werden will. Dort unterrichtet sie in einer Grundschule, die wir besichtigen. Schmutzige Kinder in schmutzigen Räumen vor schmutzigen Papieren: auch diese schreiben Examen. Es sind um 11 h nur etwa 20 Kinder – meist Mädchen - in dem einen Klassenraum. Sie werden von 2 jungen Lehrern und einem Rektor mit 4 Rohrstöckchen bewacht. Die Lehrerin hatte etwas von 100 Schülern in den Klassen 1-6 angegeben. Es hängt ein Stundenplan mit den Fächern Englisch, Hindi, Mathe, Umweltwissenschaft aus. Ich lasse mir 2 der schmierigen Blätter zeigen, das ca. 12jährige Mädchen hat eine Reihe 5-10-15-20-25-30 richtig ergänzt. 5x10= und 7x10= hat sie nicht beantwortet. Ein kleinerer Junge hat auf dem Blatt nur AAAAAA und OOOOOO geschrieben. Unterwegs steigt ebenfalls ohne zu fragen ein Polizist zu und fahrt eine Station mit. Wir treffen die typischen Rinder, die hier Mithun heissen. Dann kommen wir in Yarichun an, das ca. 1 Std. südlich vom angestrebten Ziro liegt und wo wir mal wieder in einer DB-Schule übernachten, was wir auch taten. Der Kerala-Fr. fand die Arunachal ziemlich schrecklich! Er erzählt, dasss sie Kinder kaufen um mit 7 jährigen verheiratet zu sein, dass sie sich gegenseitig abschlachten wie die Tiere, dass Eltern vollkommen desinteressiert an ihren Kindern seien. Andererseits bedrohen sie die Fr. wenn die Kinder nicht in DB aufgenommen werde, alles sehr wiedersprüchlich. Wir treffen auf Kapuzinermönche, die auch dort eine Schule haben. Hier ist ein Basislager. Hier schlafen die Fr., wenn sie nach 12 Std. Fahrt von irgendwo her kommen, fahren dann zum Markt, der von hier nur 3 h entfernt ist, schlafen dann wieder in diesem Haus und fahren dann wieder 12 h zurück.
23.3.12 04:37


Schmetterlinge an der Leine und auf 5300m mit Sari im Schnee

15.3.2012

Gestern abend waren wir bei Fr. Mathew zu einem Umtrunk eingeladen, es kamen auch noch Bastian und Tom von der DB-School rüber und wir hatten die Auswahl zwischen Rot- und Weißwein und Bier. Es gab 5 verschiedene Sorten Nüsse, alles Genüsse, die wir ein halbes Jahr entbehrten und die Väter genossen es auch sehr. Die Gespräche kreisen um unseren Aufenthalt, um die ersten Begegnungen. Wie nett!!!

Tintin hat uns noch zur Tante von Sumo eingeladen, die genau gegenüber von Boscoinstitut eine Seidenraupenzucht hat. Sie zeigte uns einen Schmetterling am Lasso gesehen, dessen gerade gelegte Eier, die fetten Raupen mit ihren Gespinsten und ihre Verpuppung,, die abgekochten Kokons, das Spinnen und die etztendlichen Gewebe, die sie herstellt. Für einen Shawl aus dieser Seide bekommt sie 1000RPs, eine Menge Arbeit steckt hinter so was. Diese Seide ist nicht glänzend, sondern das, was meine Mutter als „Rohseide“ bezeichnete, eine andere Seidenraupe als die der anderen Glanz-Seidenherstellung.

Dann haben wir nochmals mit den Tests gekämpft, sind aber einen deutlichen Schritt weitergekommen. Fr. Jerry hat mich vor der Feier zur Seite genommen und gefragt, ob ich eine Idee habe, wie er seine Hochschule verbessern kann und ich soll wiederkommen, wegen dem Beratungs-Kurs als Gastprofessor, wie gut das alles tut!

Die Abschiedsfeier war gigantisch. Sie haben für uns gesungen und getanzt und gedichtet und geredet und sie haben uns assamesische Hüte, Tücher und Töpfchen geschenkt und sie haben geweint und gelacht und getanzt. Es gab ein Porträt von mir von Teja gemalt. Alles sehr liebevoll und freundlich.  Und als wir getanzt haben, wusste ihre Freude keine Grenze. Umarmungen von allen, Segenswünsche, Gebete. Meine Abschiedsbotschaft war: obwohl ich alt und weiblich bin, habe ich ein Recht, mein Glück zu suchen, das hat Jerry gefallen. Jerry bittet uns, Nachfolger zu schicken. Das Abschiedsessen: wir haben pro Person 200 g Fleisch springen lassen, war ein Knüller für 75€!!

 

 

Fr. Mathew hat uns in 4 Std. über den Brahmaputra gebracht und in Tezpur abgeliefert. Dort hat uns eine Reiseagentur Gipsy aufgelesen, Besitzer Antonie, Fahrer Bumoch. Die erste Hälfte noch in Assam sind wir durch ein riesiges Sandbett gefahren, und haben nach ca. 2 Std. die Grenzstation erreicht. Mit ein paar Bananen, einer Ananas als Wegzehrung und einer Registrierung samt 10 Kopien der Einreiseerlaubnis haben wir dann die Grenze überquert. Die Hütten sind schon sehr viel ärmlicher als in Assam, auch fehlt der Plastikmüll als Zeichen des  Fortschritts. In Arunachal Bereich West-Kumeng fangen sofort die Berge an. Die sind wir zunächst frohgemut aufgefahren, haben den  Kumming überquert und mussten dann die ganze Höhe wieder runter. Bomdilla haben wir nach 6 Stunden von Tezpur aus erreicht (120 km). Also jetzt ist es eiskalt und wir freuen uns, dass wir das teuerste Hotel am Ort gebucht haben (45&euro mit Heizung und Warmwasser. Wir sind auf 2000 müdM. Wir machen noch einen kleinen Abendspaziergang und wundern uns über die rege Geschäftstätigkeit „touristic place“ könnte man sagen, jedenfalls gibt es Restaurants und Hotels, warme Jacken und Pullover. Wir wandern die Straße hinab in ein buddhistisches Kloster das mit der schweren Holzbauweise eher chinesisch daherkommt. Aber die Malereien sind buddhistisch luftig und farbenfroh. Als der Stromausfall um 19h kam, sind wir dann doch ins Hotelrestaurant geflüchtet und haben chinesisch gegessen. Hier ist die indisch-tibetische Grenze sehr nah. Die Leute sehen sehr mongolisch aus und es gibt auch viele Nepalesen. In der Nacht gelang es uns nicht, die Air Condition zu regeln, wir haben geschwitzt, angesichts der Kälte draußen ein perverser Zustand.

16.2.2012

Heute morgen haben wir dann nochmals im örtlichen Kloster einen Besuch gemacht, festgestellt, dass die große Gebetstrommel auch Glocken zu Schwingung bringt, dass die kleinen Gebetsmühlen Drehgriffe haben, daß auf dem Hauptaltar der Dalai Lama steht (wie buddhistisch ist der Lamaismus eigentlich?), dass die kleinen Klosterjungen dort ab 7 Jahren aufgenommen und in allen Fächern unterrichtet werden und haben uns über die vielen bunten und schwarz-weissen Gebetsfahnen gefreut. Die Hotel-Bedienungsboys stammen aus Manipur und Bihar, die einzige Qualifikation ist, englisch zu sprechen. Die Weiterreise begann gegen 8h morgens und führte uns hinauf und hinunter immer wieder Serpentinen, immer wieder schnuddelige kleine Brückchen. Das Gebirge ist auch in großen Höhen noch sehr sandig, weißer feiner Vogelsand in großen Mengen, dazwischen manchmal solider Fels. Auf der ganzen Strecke Straßenbau-Arbeiten, zu einem großen Anteil sind die Steinhauer Frauen, oft mit Kindern auf dem Rücken, manchmal sitzen sie in großen Gruppen und stricken. Auf der ganzen Strecke Armeefahrzeuge, immer wieder Kasernen. Etwa ab 11h wurde es kalt und wir näherten uns dem Sela-Paß, der mit 4200müdM höher ist als alles, was Europa  bietet. Es fielen ein paar Schneeflocken und am Tor, das den Pass anzeigt lagen dann tatsächlich ca. 3 cm hohe Schneedecke und tiefe Schneeverwehungen. Die Inder freuen sich ein Loch in den Bauch und fotografieren und fotografieren. In dem Restaurant am Pass regnet es durch die Decke, und es bollert ein Kanonenöfchen darin. Da es gerade Mittagspause war und wir dafür eine Ananas vorgesehen hatten, aßen wir im Schnee die Ananas mit eisklammen Fingerchen. Mir ist schwindelig, ob von der Höhe oder vom Hunger bleibt unklar. Die Straße ist mal sandig, mal schlammig, ausgefahren mal durch Steinhaufen oder querstehende Bagger oder LKW blockiert, immer mit Armeefahrzeugen gestopft. Wir sehen oft nicht mal die Schlaglöcher vor lauter Sand, und aufgewirbeltem Staub, immer liegen Felsbrocken und Holz herum. Tiefe Löcher anstelle der halben Straße tun sich auf, der künftige Abwasserkanal fehlt noch. Häufig Absenkungen von 20 – 30m durch Landsliding. Ab und zu kommen wir dem Abgrund auf Zentimeter nahe, dann läuft der Agenturbesitzer rückwärts dem Fahrzeug voraus und winkt uns an den Hindernissen vorbei. Die Straße ist gesäumt von den jämmerlichen Hütten und Zelten der Straßenbauarbeiter. Manchmal kommt es dann zu den Begegnungen zwischen Baggern, Felsbrocken, Benzintankfahrzeugen und Abgrund, die abenteuerlich sind und die Fantasie anregen.

Der See am Pass ist zugefroren, die Wolkenfetzen wandern die Berge hinauf und hinunter und wirbeln vor dem blauen Himmel, den schneebedeckten Bergen und den bunten Fahnen in wunderbaren Bildern. Bettelkinder erhoffen Kekse. Wir wickeln uns in unsere Naga-Decken,  die Inder frieren, nehmen aber nichts an. Nach ca. 14h sind wir wieder in einem Tal. Die Obstbäume blühen weiß und rosa und die Leute harken im Garten und auf dem Feld herum, gegen 15h sind wir wieder im Schnee. Gegen 17h erreichten wir Tawang und kamen nach einigem Suchen in einem Hotel unter. Hier haben wir bei Minusgraden nur einen Heißlüfter und liegen mit Anorak aber gut abgesättigt im Bett.

17.3.2012

Morgens: Sonnenschein! Kaiserwetter mit Schnee, Heinrich hält nichts im Bett und er wandert früh Richtung Kloster, trifft auf einen sehr netten buddhistischen Mönch, mit dem er ein nettes Erzählen hat. Zum Frühstück kommt er zurück. Unser Fahrer kommt zu spät und inzwischen habe ich mich mit den Indern, die wir gestern schon auf dem Sela-Pass getroffen haben, unterhalten. Die haben einen Ausflug zu einem P.Tso-See vor, da schließen wir uns an. Vorher sollen noch Papiere zum Staatspolizei-Büro gebracht werden. Weil Samstag ist, ist dieses Büro geschlossen, wir sollen es dem DC (District Commander?) nach Hause bringen. Wir suchen es, finden ein edles Gebäude, in dessen Garten ein Baum von Dalai Lama 1959 gepflanzt wurde. Aber der DC geruht nicht, uns zu empfangen, wir fahren ohne Papiere die 20 km an die Gebirgskrone. Wir treffen die indische Reisegruppe, die aus ca. 5 Frauen und 2 Männern unseres Alters besteht, am See. Der Hügel, auf dem das Kloster Tawang und das umgebende Städtchen liegen, sind von einem Gebirgskessel mit 5300-5600 m hohen Spitzen umgeben an einer dieser Spitzen sind wir jetzt auf 5300 m üdM. Die Frauen stehen mit ihren Seidensaris zwischen dem  Rhododendron im Schnee, über uns kreist ein Himalaya-Adler. Wir werfen mit Schneebällen, ich beginne einen Schneemann zu bauen. Die Inder sind ganz glücklich mit dem Schnee „Wie in der Schweiz“ sagen sie immer wieder. Wir alle spüren die  dünne Luft, müssen pusten und japsen, aber ich habe es mir schlimmer vorgestellt. Es ist sehr schön hier oben. Ich habe ein wenig Knochenschmerzen vom Blutausstoß.  Man kann bis nach China und Bhutan hinüberschauen.

Unterwegs ist die Fotobatterie leer, wir fahren zurück ins Hotel. Hier gibt es nur ca. 2 Std. öffentlichen Strom und jetzt gerade nicht. Tatsächlich bitten wir das Hotel, den  Generator zu starten: ein ca. Zimmergroßes Gerät wird angeworfen, um meine kleine Batterie eine halbe Stunden zu laden, ich schäme mich der geforderten Verschwendung wegen und weil ich gestern abend das Aufladen vergessen habe.

Nach einer Pause, die die Lungen gebrauchen können, starten wir zum Klosterbesuch. Tawang liegt auf ca. 4500 m und sieht aus wie Lhasa, nur kleiner. Bevor man das Männerkloster erreicht kommt man an einer Seilbahn vorbei, die zu einem entfernter gelegenen Frauenkloster mit 60 Nonnen führt, aber wegen des Misstrauens oder der Unfähigkeit nicht in Betrieb ist.

Dann betritt man durch das große Torgebäude mit wunderbar gemalter, frisch renovierter Decke das Zentralkloster. Man kommt an vielen Gebetsmühlen vorbei, in diesem Vorhof lebt eine Affenfamilie mit sehr herrischem Oberaffen, der einen Jungaffen sehr streng bestrafte, der auch was zu fressen wollte. Alte Frauen drehen die Rollen, ein paar ältere Mönche liegen in der Sonne. Das nächste Gebäude ist eine Bibliothek, die aus 2  modernen Räumen besteht und moderne Literatur, Sachbücher und Nachschlagwerke enthält und 2010 vom Dalai Lama eingeweiht worden ist.  Das nächste Gebäude zeigt deutliche Brandschäden, ein Junge sei letztes Jahr hier verbrannt, wird erzählt. Das große obere zentrale Gebäude ist ein Gebetshaus und eine Schule, darunter liegen die Unterkünfte der  500 Mönche davon 200 Knaben. Die Häuser haben einen Lehrer und ungefähr 10 Knaben. Die Schüler kommen zwischen 5 – 10 Jahren und werden dann ihr ganzes Leben lang Mönche bleiben. Die Eltern zahlen ein kleines Schulgeld wenn sie können.

Der sonnendurchflutete große Mittelhof mit einer baumlangen Gebetsfahne und der sauberen Marmortreppe bot uns Rast zum Verschnaufen. Alle Gebäude sind gut renoviert und bunt bemalt, überall Fahnen und Vorhänge, die lustig im Wind wehen. Ein Mönch winkt uns in ein Ein-Raum-Museum. Auch das 2010 vom Dalai Lama eingeweiht. Man findet Gegenstände aus dem Kloster Tawang die bis zu 800 Jahre alt sind aber auch viele Gegenstände von Lamas und Lhasa. Offensichtlich hat der Dalai Lama hier auch Sachen „untergebracht“. Alles ordentlich beschriftet und gut präsentiert.

Das große Hauptgebäude ist aus massiven bemalten Holzsäulen gebildet und 4 stöckigen Galerien ein hochaufragender Buddhatempel. Buddha ca 12 m hoch, golden, hat die Augen offen und lächelt, um ihn herum weiße Schals – ich lege einen Assam-Schal dazu – und viele der Dämonen, Lamas und Mönche. Wir sehen die sechs buddhistischen Ebenen: Götter, Halbgötter, Menschen, Tiere, Pflanzen und Dämonen und die 8 buddhistischen Heiligtümer: das Rad, der Schirm, der Schatz, das Gewebe, die Siegesfahne, der Lotus, die rechtsdrehende Muschel, die Goldfische. Die Gebetsbänke sind senkrecht zum Hauptaltar angebracht, man sieht die großen und kleinen Trommeln, geschmückte Blasinstrumente, gelbe Zeremonialhüte.

Als wir herauskommen, laufen gerade die Schüler im Hof herum, wir folgen ihnen und sehen Mompas in ihren witzigen Zipfelhüten beim Reis auslesen. Ein Mann spricht uns an, der hier in der Klosterverwaltung arbeitet.

Das Kloster ist ca. 400 Jahre alt – also wahrscheinlich von Kublai-khan mitgegründet. Dalai Lama gilt ihnen als Boddhisatva und ist „very precious“ sehr wertvoll. Er erzählt, dass der frühere Ministerpräsident von Arunachal auch ein Mompa war und beim Rückflug von Tawang nach Itanagar mit dem Hubschrauber vor 6 Monaten verunglückt ist. Da er ein Gönner des Klosters und der Mompas war, ist dies ein großes Unglück für sie. Er erzählt, dass viele Mönche den chinesischen Überfall von 1962 selbst miterlebt hatten und in großer Panik geflüchtete sind. Warum sich die Chinesen damals zurückgezogen haben, weiß niemand, jedenfalls nicht wegen der Verteidigungsbereitschaft der Inder. Die haben sich für dieses Stück Himalaya nicht besonders geschlagen.

Dieser Mann nimmt uns dann auch mit nach unten ins Dorf. Wir entdecken einen Schild Internetcafe, aber ach, das hat natürlich auch kein Netz. Man lächelt uns mitleidig an, als wir danach fragen. Der zentrale „Old market“ hat eine sehr neue Gebetstrommel-Mauer und im Zentrum eine große Trommel. Daneben in der untergehenden Abendsonne ein Café mit Süßigkeiten und ein paar Stühlen. So was haben wir lange gesucht hier und genießen Tee, Gebäck und die angenehme Atmosphäre. Auch hier alles sehr gepflegt und bunt. Wer hätte es gedacht: 2010 vom Dalai Lama eingeweiht! Auf dem Rückweg zum Hotel sieht man, wie viel hier gebaut wird! Dabei fehlen Straßen, Bewässerung und Strom. Da wächst mal wieder die Stadt schneller als die Infrastruktur. Aber natürlich ist Tawang vor allem Grenzstadt: viel, sehr viel Militär ist hier.  Wir schaffen den Aufstieg langsam, schnaufig aber wir schaffen ihn. Dann holen wir den Heißlüfter aus dem Zimmer, ziehen die Anoraks gar nicht aus und gehen so zum Abendessen. Anschließend gehen wir mit Anorak ins Bett. Ja, wir sind in Indien, aber es könnte auch Grönland sein: es ist einfach eiskalt!

18.3.2012

Im Hotel ist eine Reisegruppe mit 14 Italienern angekommen. Wir ärgern uns, weil wir mal wieder 45 min auf die Fahrer warten müssen. Das versuchen sie auszugleichen, als sie entdecken, dass uns der wilde Rhododendron und die wilde Magnolia gefallen. Da gehen sie einfach in ein Grundstück und brechen Zweige ab, die Besitzer sind desinteressiert. Wir fahren bei Sonnenschein die lange Strecke bergab und östlich, die wir auch gekommen sind. Überall kleine Gebetsmühlenhäuser, Stupas und viele, viele bunte Gebetsfahnen, die besonders die Abgründe überbrücken. Die Schneeschmelze beschert den Wiesen die ersten Schlüsselblümchen, die aber hier lila gefärbt sind, in den geschützteren Lagen blühen die Obstbäume rosa und weiß und von verschwenderischer Schönheit strahlen sie vor einem blauen Himmel. So schrauben wir uns von 4500m üdM auf 3000 runter, vorbei an den hier üblichen Fachwerkhäusern der Mompa, den jämmerlichen Blechhütten und Plastikzelten der Straßenarbeiter und vereinzelten Steinklopferinnen, Heute am Sonntag ist deutlich weniger Verkehr, auch ruhen die Baustellen weitgehend (ein Bagger arbeitete, vereinzelte Steinbrecher, und einige Klopferinnen). Wir nutzen die Gelegenheit, zwei Frauen ein wenig auszufragen. Diese beiden verdienen pro Trage-Korb 35 RPs und schaffen in 8 Arbeitsstunden von 8-16h max. 5 Körbe pro Tag. Auch ihre Männer arbeiten im Straßenbau, aber meist auf den Baustellen weiter weg, Frauen arbeiten in der Nähe der Dörfer. Diese Frau hatte 3 Kinder, die normalerweise allein zu Hause sind, manchmal kann sie mittags heimgehen und was zu essen kochen. Das Mädchen war dabei zum Helfen, auch am Sonntag. Die Buben gegen in die Schule. Der Split ist aus weichem Gestein, ein einziger Hammerschlag reicht, um die Brocken springen zu lassen. Die Frauen tragen Plastikschläuche an den Fingern, um die Haut zu schonen, wie sie ihre Augen vor den Splittern schützen, ist mir unklar. Außer dem Straßenbau haben sie noch ein wenig Landwirtschaft, besonders Kartoffelanbau. Ihre Familien leben weit weg, sie sind hier als Kleinfamilie.

Es fällt uns wieder auf, wie bröselig dieses Gebirge ist, viel sehr weicher Stein, viel Sand, kaum solides Baumaterial für diese Gebirgsstraßen mit ihren riesigen Muren Abgängen. Der frisch gebrochene Stein glänzt wunderschön und ist voller Glimmer. Aber die neu gebauten Sperrwände sind schon wieder aufgebrochen. Das Wasser, der Frost tun ihr übriges.

Wir überqueren den alten Siang, (der nach dem nächsten großen Zufluss dann Brahmaputra heißen wird) der hier weißbrausend herunterdonnert und riesige Kiesel umspielt. Ein schöner aquamaringefärbter Gebirgsfluß, der zwei feindliche Länder verbindet. An der Brücke kommen wir ins Gespräch mit einem Soldaten, 32 J. dessen Frau in Gujarat lebt, der seit 15 Jahren in der Armee ist und alle 2 Jahre woanders stationiert ist.

Wir fahren auch wieder  am Felsennest-Kloster vorbei, auf der anderen Talseite treffen wir einen betenden  70 j. Pilger, der seit Jahren allein von Kloster zu Kloster wandert. Wie viele Menschen hier eben auch allein sind und nicht eingebettet in ihre Familien leben müssen!

Auf der Straße im Frühling sehen wir Kinderspiele: „Mensch ärgere dich nicht“, über einem Baumstamm liegt ein Brett als Wippe, überall spielen sie Fangen, Werfen, manchmal sieht man Murmelspiele oder Münzen werfen, Jungs treiben Reifen an, eine Mutter zieht ein Kleinkind in einem Plastikkanister.

In Jang zeigt man uns einen Behälter für die Mischung von Yakbutter-Tee. Dann haben wir uns ca. 60 min lang verfahren, was die Fahrer natürlich nervös macht. Unterwegs sehen wir Packpferde und Mulis, viele Fußgänger. Wir besichtigen das Kriegsmuseum. Die verhärmten Soldaten betreiben hier einem Gedenkplatz für den chinesisch-indischen Krieg von 1962. Damals hat China Tibet überfallen, Indien hat sich dafür Sikkim unter den Nagel gerissen. Die indischen 300 Soldaten, die hier die Chinesen 72 Std. aufgehalten haben mit einigem Pomp bedacht werden, aber eigentliche Informationen erhält man nicht.  Die Armee reicht umsonst Tee. In einem Luxus-Schaufenster gibt es Rexona-Seife und Alpenliebe-Bonbons. Ein paar Straßenarbeiterinnen beschenken wir mit Samosas, einen Fettgebäck.

Dann wird es wieder kalt, wir nähern uns der Schneegrenze und der unteren Wolkendecke. Wir sehen schon das Tor des Selapasses, als uns ein Tank-LKW entgegenkommt. Die Schneeverwehungen sind ca. 80 cm hoch rechts und links und die Straße ist dadurch einspurig. Es kommt zu einem heftigen Hin- und Her-Geblinke, unser Auto fährt schließlich rückwärts. Aber statt das nun einfach zu schlucken, brüllen sich zunächst die Fahrer an, unserer steigt auch noch aus, als aus dem Tanker etwa 6 junge Männer springen und sich wütend und Fäuste schwingend unserem Fahrer nähern. Einer reißt den Autoschlüssel an sich. Uns wird ganz angst und bange. Gott sei Dank kommt ein Commander der BRO (Grenzstraßen-Kommando) daher und sorgt für Ruhe und schickt die Kampfhähne in verschiedene Richtungen den Sela hinunter. Wir beköstigen unsere Fahrer nun erst mal mit Tee und Maggisuppe in der Herberge am Paß zur Nervenberuhigung. Die Gaststätte hier auf 13700 ft. wird von einer 32 j. Frau betrieben, die als einzige Hilfe eine 15 j. Verwandte hat. Sie ist ganzjährig geöffnet. Es ist ärmlich, schäbig, löchrig, schmutzig aber warm. Auf dem Weg abwärts fahren wir mit unseren Sommerreifen auf festgefahrener Schneedecke und durch harschen Schneematsch, die sehr engen, schwer löchrigen Serpentinen. Ich erahne, wie dünn die Nerven in dem Tank-LKW waren, wo sie mit sicher noch schlechteren Reifen eng gedrängt, hungrig, mit Benzin hintendrin diese Straßen nach oben gefahren sind, kein Wunder dass die so aggressiv waren. Diese nervenaufreibende Fahrt wird durch Kälte und Nebel noch verschlechtert aber nach über einer Stunde haben wir den Schnee wieder verlassen, auf dieser Seite scheint zwar leider keine Sonne, aber die Straße wird trocken und ist nun nur noch eine einzige Baustelle. Mit Zwischenstopp in Dijang, wo wir Tee trinken und einen Snack essen kommen wir spät aber wohlbehalten in Bomdilla an. Anruf von Fr. Mathew, dass etwas mit dem Permit nicht stimmt und wir uns kümmern müssen. Mein Schwindel, der mich in Tawang doch sehr gequält hat und das Japsen nach Sauerstoff sind wieder weg. Wir essen wieder im Hotelrestaurant, wie selbstverständlich trinken wir das heiße Wasser, sehen mit den Militärs Kricketspiele an und freuen uns, wenn die Inder einen Run gewinnen.

19.3.12 16:28


9.3.-13.3.2012 von Heinrich, Job-Interviews und von Klos

9.3.-13.3.2012 Am Freitag wurde noch immer Holi gefeiert, es ist ein Vollmondfest und bekanntlich kann man den Vollmond nicht immer so genau festlegen. Ich habe mit den 4.Semestern noch mal Workshop gemacht, es lief einfach super und wir waren gut stolz aufeinander. Besonders die Sequenz mit den Vorstellungsgesprächen und Hot-Seat haben sie angesprochen. Als Fr. Jerry zum Fotografieren reinkam, habe ich ihn gebeten, ein Jobsucher zu sein. Das war lustig. Dabei wurde dann erwähnt, später bestätigt, dass in Assam 70% aller Kinder in der Grundschule und weitere 70% in der Mittelstufe die Schule abbrechen. (und dann fallen noch sehr, sehr viele durch die Abschlussprüfungen) Es sind oft sehr banale Ursachen, z.B. dass kein Klo für die Mädchen da ist. Außerdem seien die staatlichen Schulen extrem unattraktiv und langweilig ausgestaltet und Jerry betonte in seinem „Vorstellungsgespräch“ bei dem „Chef“, dass er dafür wäre, an dieser Stelle mit der Arbeit anzufangen. Der „Chef“ (es war der fitte Ruben) fragte ihn sehr konkret aus und Jerry antwortete, er sei dafür, die Kirchen, Moscheen und Tempel für die Kinder zu öffnen und alle Studierten einzuspannen in das Ausbildungskonzept der Kinder. Anschließend sprach mich Prakash an, ob ich mit ihm seinen Lebenslauf schreiben könnte. Es stellte sich heraus, dass er sich 2 Jahre jünger schummelt als er ist. Er hat als ältester Bauernjunge lange in der Familie helfen müssen und zu spät mit der Schule angefangen. Deshalb schummelt er jetzt seit Klasse 5 um 2 Jahre! Nach dem Unterricht hat mich der schöne Likoh gefragt, ob ich mit ihm nach Lichubari zu den Farben fahren will. Also wir auf dem Pinkrider von der Magnah gefahren. Also das war schon ein Hingucker! Und es waren tatsächlich noch viele mit Farbtöpfen und Farbspritzen unterwegs. Likoh erzählte, dass Holi gefeiert wird, weil Rama nach 40 Jahren aus dem Wald zurückkommt. In der Zeitung steht, dass an diesem Tag die Hexe Holika verbrannt wird, die einen Prinzen ins Feuer werfen wollte, weil er Krishna anbeten wollte. Ob nun Rama und Krishna das gleiche sind (also Reinkarnationen) oder ob da was verwechselt wird – keine Ahnung. Es scheint ein Anlass der Freude zu sein, Frühling, Farben, Spaß und Alkohol nicht zu knapp. Mich erinnert es an Winterverbrennung und Faschingstreiben. Die Bäume blühen, z.B. die großen Azaleen, auch bunte Zapfen an Nacktsamern, Wiesenblumen, Büsche mit Spiralblumen, Rosen, Dahlien, Gladiolen. Die Bäume sind nun alle liebevoll mit roten und gelben Schals umwickelt. Am Samstag habe ich vor lauter Aufregung weil Heinrich kommt, 2 Unterrichtsstunden verbaselt, aber nicht vergessen, am Open forum teilzunehmen: Alle Schüler mußten daran teilnehmen und es waren die hier heißen Themen Großdamm, Landvertrag mit Bngladesh und Schwarzgeld-Korruption vorbereitet worden. An den beiden ersten habe ich teilgenommen: es sollen im gesamten Brahmaputratal mehrere Großdämme zur Wasser- und besonders zur Stromgewinnung gebaut werden, dabei werden in Assam nur etwa 2000 MW Strom verbraucht, die überwiegende Mehrheit des Stromes wird für „Mittelindien“, wie man das nennt, hergestellt. Der Brahmaputra ist absolut die Lebensader von Nordost, es gibt gar nichts, was nicht am Fluß hängt. Eine Austrockung des Flußes, wie es in den ersten Jahren nach einem solchen Dammbau üblich ist, ist eine glatte Katastrophe. Außerdem ist hier eines der großen Erdbebengebiete, da die tektonische Platte Indien in den Himalaya hineinschiebt und ihn damit jährlich um 2-3 m wachsen lässt. Das Brechen eines solchen Dammes würde Hochwasserwellen von 5-6 m auslösen, was einem Tsunami gleichkäme. Entsprechend sind in Assam und Nordost alle gegen diese Dämme und empfinden es als undemokratisch, dass sie nicht beachtet werden. Allerdings hat der Nordosten nur 8% der indischen Bevölkerung, und der Rest braucht Strom. Der Vortrag war von 3 Jungens vorbereitet worden, die das ganze engagiert und spannend vorgetragen haben, die Gruppe hat etwa zu einem Drittel mitdiskutiert. Hintergrund des Open-Forums ist natürlich diese Studenten auf politisch kontroverse Situationen vorzubereiten und sie dafür zu interessieren. Aber schon das Wort „my opinion“ (meine Meinung) kommt hier kaum einem über die Lippen. Am liebsten antworten meine scheuen Studentinnen „it seems to be a little difficult“. Bei dem Landvertrag mit Bangladesh wurde ohne große demokratische und parlamentarische Debatte mit dem ungeliebten und bettelarmen Nachbarn beschlossen, dass die Banglas aus gewissen Enklaven über indisches Territorium zu anderen Teilen Bangladeshs passieren dürfen. Da nun Banglas in großen Zahlen illegal nach Nordost und besonders Meghalaya einwandern ist natürlich die Angst vor einer „Überschwemmung“ durch die Hungerleider sehr groß. Von einem „die müßte man alle ins Meer treiben, geht uns doch nichts an, was die machen, die sollte man alle aufkaufen“ bis zu „es sind arme Brüder und Schwestern“ gab es einfach alle Meinungen und es war sehr emotional. Die Vortragenden waren der eloquente Bruno und ein stummer Junge und 2 muslimische Mädchen, die sich an dem Thema komplett verhoben haben, denn natürlich ist das hier auch ein Religionskonflikt. (Bei der Unabhängigkeit 1947 wurde West- und Ostpakistan gegründet und dorthin sind die Muslime von den Hindus hingejagt worden. Diese Flüchtlinge haben alles Hab und Gut verloren damals. Man haßt sich seit diesem Blutbad gründlich. Aus Ostpakistan wurde dann Bangladesh. Das ihenen zugewiesene Land war das ungeniessbare Wüstengebirge im Westen „Pakistan“ und im Osten das Überschwemmungsdelta „Bangladesh&ldquo. Die Beteiligung war sehr wenig konstruktiv. Heinrich kam am Samstagnacht zurück. Er hatte noch mit Fr. Mathew eine neue Schule lokalisiert und ausgemessen. Sein PC ist defekt. Wir sind – Gott sei Dank – beide gesund und munter. Es ist schön, dass er jetzt wieder da ist, es war doch ein bisschen einsam manchmal, so bei Stromausfall im Dunkeln abends ab 18h. Mit wem soll man reden? Beim Rundgang über das Gelände zeige ich ihm die Baufortschritte. Bei Icard ist ein kleines etwa 5jähriges Mädchen angekommen, die sich den ganzen Tag um den kleinen Joy von Lolima kümmert. Sie hat ihn auf dem Rücken geschnallt und schleppt ihn hinter den vielbeschäftigten Weberinnen her. Es wird erzählt, dass Lolima beim letzten Besuch in ihrem Dorf das Mädchen, dessen Mutter tot sei, einfach angehängt worden sei. Offensichtlich wird sie in einen staatliche Schule geschickt. Wir wissen noch nicht, wie es weitergeht, die Einreisegenehmigung noch Arunachal Pradesh steht noch aus. Ich mache noch meinen Unterricht für die 2. Semester. Ausserdem gehen wir noch mal shoppen. Maram hat Heinrich 1 kg von dem hier fast unerschwinglichen Basmati-Reis geschenkt. Wir kaufen für Heinrich einen Märchenprinz-Mantel (Sherwani). Wir kaufen Tee (1 kg Spitzenware 6&euro Ayuveda-Sachen, wir holen von den Schneidern verschiedene Teile ab, darunter den bestellten Talar und meine Märchenprinzessinnenkleider. (Ja. Es ist so. Ich habe 60 Jahre dagegen gekämpft und mich erzogen, grau und blau schön zu finden. Und hier ist von dem wenigen und mühsam anerzogenen europäischen guten Geschmack nichts, aber auch gar nichts übrig geblieben. Aus mir heraus gebrochen ist ein kleines Mädchen, das rosa Glitzer mag. Einfach so.) Wir entschließen uns, ein Abschiedsessen zu finanzieren. Auf die Frage an Probin, ob wir lieber Kuchen oder Dessert kaufen sollen, wünscht der sich Fleisch. Also finanzieren wir 20 kg Hühnchenfleisch - etwa 20 Hühner werden dafür ihr Leben lassen müssen. Während dieser Einkäufe öffnet Kopessa mir ihr Herz. Sie ist jetzt ungefähr 35Jahre – sie weiß es nicht so genau. Sie hat keinerlei Schulausbildung, obwohl sie brauchbares Englisch spricht und auch ganz gut rechnen kann. Sie ist die Älteste zu Hause. Ihr Vater ist 2004 an „Herzeleid“ über seine jüngeren Söhne gestorben. Besonders einer dieser Brüder macht großen Kummer. Mit 16 ist er Vater von Jenny geworden, deren Mutter mit 17 das Kind verlassen hat. Seither kümmert sie sich um Jenny, die jetzt irgendwo in Don Bosco wohnt. Aber allein in diesem Jahr hat er schon 2 schwere Unfälle mit über 50 000 RPs Schulden gemacht. Im letzten Jahr hat sie ihn mit mehr als 30 000 RPs unterstützt. Sie verdient für die Küchenarbeit 2000 pro Monat. Wenn sie nicht unterstützt jammert die Mutter. Sie macht neben der Küchenarbeit noch dieses kleine Lädchen, wo ständig welche kommen, die ein paar Sandalen, eine Kappe oder ein Tuch wollen und kein Geld haben. Sie zahlt im Monat dafür 700 RPs plus Strom. Die anderen Küchenmädchen sind nun viel jünger und verstehen sie nicht. Sie fühlt sich elend einsam. Auch die Gespräche mit Mercina, die ebenso wie Pingano eine der großen Sprachlosen in der Klasse ist, sind erschütternd. Seit 6 im Internat, ganz selten kommt mal was von den Eltern und dann sind es überwiegend Forderungen. Eigentlich gerade für diese stillen Mädchen auch wenig Kontakte und tiefe Freundschaften. Eigentlich weint man viel, lange und einsam. Sie erzählte, dass sie mal zu Unrecht eines Diebstahls verdächtigt wurde und obwohl es ausgeräumt werden konnte, war die Schwester ab sofort ein Drache und sie das Lieblingsopfer. Ob sie vorher schon schweigsam war???? Alicia will mich mal drücken, hängt an mir, lässt gar nicht mehr los. Sie hat geträumt, dass sie die Zahnbürste mit ihrem Ex-Freund teilt. Sie darf ihn nicht lieben, er ist Muslim. Er ist der einzige, der ihr nahe steht, aber die Familien sind dagegen. Meine Interpretation, dass es was sexuelles bedeuten könnte, läßt die Tränen laufen.
13.3.12 12:22


Weltfrauentag und andere Wanderungen

4.3.2012-8.3.2012

Heinrich hat eine sehr anstrengende Wanderung auf die hinterindischen Berge unternommen. Mit einer Gruppe von 20 Studenten ist er 4 Stunden durch den schweren Anstieg hinaufgestiegen, es hat auch noch geregnet. Ob angekommen, haben die Jugendlichen in der Nacht noch Feuerholz gesammelt und gekocht. Man hat unter einer Felsnase übernachtet, Heinrich hatte als einziger einen Schlafsack dabei, morgens war Eis auf den Pfützen. Als ich es hier erzählt habe sind den Fraters die Pappe aus dem Gesicht gefallen, dass er sich das zutraut und durchhält, es gilt als äußerst schwieriges Unterfangen. Als sie dann endlich den Highway erreichten mussten sie in strömendem Regen noch auf den Truck warten, der dann offen und mit schmutziger Ladefläche kam, Heinrich hatte das Glück, auf dem Beifahrersitz fahren zu dürfen.  Noch 2 Tag danach spürte er den Muskelkater, aber es war sehr schön für ihn. Auch in Jorhat Regen und Gewitter, es ist wieder ein bisschen kühler geworden, dementsprechend ist Haare waschen und färben wieder komplizierter. Ich habe angefangen,  Abschied zu nehmen und habe auf meiner Flöte das kleine „Guten Abend, gute Nacht“ gespielt und sie dann verschenkt, Jerry hat sogar mal Saxophon und Klarinette gespielt und hat sich sehr drüber gefreut.

Wir warten noch auf unser Permit nach AP, außerdem ist das mit den Tests sehr zäh und Fa. Pearson schickt einfach nicht. Das ist übel, weil die Doktoranden dann nämlich andere Stellen annehmen. Grace hat sich nach Neu Delhi beworben und die nette Marbee geht nach Bangalore, Jerome ist noch da. Auch sonst ist viel „los“. Puschba hat ihre Dr.-Arbeit in Dibrurga angemeldet und kriegt einen Doktorvater, 2 Altsemester kommen zu Besuch, einer arbeitet für eine RFI-Projekt, die andere auf der anderen Seite in der Regierung. RFI heißt Recht-auf-Information und ist eine  Organisation, die die Leute aufstachtelt, nachzufragen: Wieviel hat diese Straße gekostet und was ist mit dem anderen Geld passiert? Wer hat diesen Auftrag bekommen und warum? Warum ist diese Schule immer noch nicht in Betrieb? Usw. Die Regierung fühlt nun, dass diese RFI doch in erster Linien Unruhe säht und gar nicht demokratisch ist sondern nur von Oppositionellen unterwandert wird und setzt „Anti-Sozialarbeiter“ ein. Ach hier ist einfach nichts einfach!!!! Zur Demokratie wäre noch zu erwähnen: Die Schüler haben eine neue Selbstverwaltung „Basic“ gewählt. Zum ersten Mal haben sich auf breiter Front Mädchen aufgestellt, ich wurde mehrfach zum coachen herangezogen. Ich habe versucht, eine Argumentenwahl einzuführen, das hatte man wohl noch nie. Die Ergebnisse weiss ich noch nicht.

Die „Oberköchin“ Kopessa war 10 Tage im Kloster Margarita zu einem „Urlaubsretreat“, das hat hier offensichtlich gut getan. Das Essen wird davon nicht besser, aber das Gelächter in der Küche fröhlicher. Wegen Kopessa habe ich den Schneider gewechselt und nun hat der Schneider erstens das doppelte von mir wollen und zweitens das Kleid, das ich mir für Margaretes Hochzeit habe schneidern lassen, vollkommen vermessen, das Oberteil ist einfach 2 cm zu kurz. So doof.

Gestern und morgen habe ich einen Workshop „Beratungstechnik“ mit jeweils 6 Unterrichtsstunden am Stück, das ist schon eine ordentliche  Fleißarbeit, aber gestern ist es gut gelaufen, sie hatten viel Freude dran. Leider haben sie noch nicht verstanden, dass Beratung nicht Anweisung ist. Da müssen wir noch dran wursteln.

Heute ist nun ein großer indischer Feiertag namens Holi, das Fest der Farben. Ich sah schon in den Tagen vorher überall große Plastikspritzen und Farbpulver liegen und heute war nun der Tag der Tage. Ich gedachte, mich ins morgendliche Gewühl zu werfen – das hört um 12h mittags auf. Aber dann fragte Jerry gestern Abend, ob ich auf den internationalen Frauentag mitkommen will, man sei eingeladen. Also machten wir uns um 6.30h auf den Weg nach Süden. Frühstück gab es im Elternhaus einer Schülerin, das auf dem Weg lag: Marmeladestullen, hartgekochte Eier und Apfelschnitze: lecker. Dann erreichten wir Woka/Assam St. Peter-Gemeinde. Dort ist seit einem Jahr Pfr. Henry Cesar zugange, der dafür bekannt ist, dass er die Welt auf den Kopf stellt. In der Gemeinde sei 20 Jahre nicht viel passiert. Aber was da los ist: „nur“ 700 Familien, praktisch alles Adivasis, aber nur wenige Teepflücker drunter, sondern Dorf-Adivasis, also solche, die irgendwann mal aus den Plantagen rausgeflogen sind. Die haben „den Djungel gerodet und fruchtbar gemacht und sich dann das Land klauen lassen“. Die winzigen Parzellen werden ihnen für ein bisschen Fleisch, Alkohol oder ein Kleid abgeknöpft. Da sie alle nicht lesen und schreiben können, ist es mühsam und schwer. Der Pfarrer investiert seinen gesamten Klingelbeutel in die Finanzierung eines Rechtsanwaltes für solche Fälle. Eigentlich haben sie eine Naturreligion, manche sind ein wenig hinduisiert, einige christianisiert, einige moslemisiert. Er hat sich nun in dieser Gemeinde ganz auf die Frauenarbeit spezialisiert. Er hat einen Sparverein ins Leben gerufen und 400.000 Rps (6000Euro) gesammelt, Geld das in einem Jahr immer wieder ausgeliehen worden ist wegen neuer Dächer, Krankheit, auch mal eine Kuh oder eine Ziege, die davon gekauft werden konnte. Man sieht ihm an, dass er darüber vor Stolz fast platzt. 70% der Paare leben hier ohne Hochzeit zusammen, eine Hochzeit ist einfach zu teuer. Es gibt in der Demo eine große Gruppe „lonewomen“. Viele Männer gehen auch in die Großstädte und werden nach einiger Zeit nie wieder gefunden, was immer auch passiert sein mag, die Familien sind ohne Versorgung hier. Er hat am Weihnachtstag auch eine Gruppe initiert für Frauen, die migriert sind – und Weihnachten dann mal nach Hause kommen. Er war sehr erstaunt, dass es fast 300 Frauen waren, die kamen. Die Geschichten, die ihm erzählt wurden hat er zusammenfassend als „entsetzlich“ beschrieben, in dem Mund eines sicher vielerfahrenen Gemeindepriesters sicher hart. Wir treffen ungefähr 1000 Frauen, meistens spindeldürr, sehr dunkel, ihre Kinder mit Zeichen der Mangelernährung (struppiges helles Haar, hellbraune Iris). Das Frühstück (Reis und Daal) für die 1000 Frauen wird von ca. 20 Männern gekocht! Sie haben sich um eine der Barackenkirchen versammelt, die am Rand der Teeplantage liegt. Die Plantagenbesitzer haben letztes Jahr gewechselt. Jetzt bekommen die Pflücker wieder Lohn. Im letzten Jahr hat eine Kooperation ein ganzes Jahr gar nicht bezahlt, alle haben nur doch klauen überlebt. Die Plantagenbesitzer stellen sich immer gut mit dem Gemeindepriester, erzählt Henry. Sie liefern zum Beispiel für diese Veranstaltung 3 Wassertanks mit einem Traktor an. Die Frauen haben Transparente dabei, viele nur gemalt, manche geschrieben. Es soll um 9h losgehen, aber irgendein Obermufti von der Regierung hat Verspätung bis 12.30h angekündigt. Also müssen wir herhalten: Jerry redet eine Rede, ich rede eine Rede, Joseph redet einen Rede. Jerry und ich entrollen eine Fahne, unsere mitgebrachten 6 Schülerinnen singen und tanzen mit den Frauen, als ich ein wenig mitwackele ist die Meute entzückt. Pfr. Henry erzählt voller Stolz, dass das ganze die Frauen selbst organisiert haben. Neben uns sind als Ehrengästen noch 2 Nonnen aus Mariani da, die nicht reden müssen und einen Advokaten, der zunächst die längste Rede hält und ständig von Dr. Anna, international und Germany spricht. Man spricht assamesisch, das ist vor allem langweilig. Wir alle werden mehrfach mit Wasser bespritzt, kriegen die Hände gewaschen, man schenkt uns Gamossas (assamesische Handtücher) am Ende des Tages schenkt man mir sogar ein Holmoa, einen assamesischen Ehrentopf. Das Organisatonskomittee – Lehrerinnen, die englisch sprechen und sehr fit sind – schafft es, die dreieinhalb Stunden zu überbrücken. Wir sehen zum ersten Mal Frauen auf die Pauken hauen- auch Jerry hat so etwas noch nie gesehen und baut seine Rede darauf auf.

Es gibt eine große Baustelle, Pfr. Henry baut ein Mädchenhostel, leider gibt es keine Schule in der Nähe und noch keinen Orden, der sich dranwagt, es zu betreiben. Der Mann hat Nerven! Was für ein finanzielles Risiko!

Während alle anderen Stämme Spezialrechte und Sondergelder bekommen, ist den Adivasis eine solche Anerkennung 2006 aufgrund von übler Korruption verweigert worden. Das steht auf vielen Plakaten. Manchen Transparente enthalten nur Lichtsymbole, andere fordern mehr Gerechtigkeit, mehr Schulen (Es gibt hier nur eine Schule bis Standard 3, alles andere ist unendlich weit weg. 90% der Frauen sind Analphabeten),  mehr Land.

Wir kriegen ein Mittagessen und dann endlich gegen 13h kommt ein Mann, der lange assamesisch redet und ich verstehe aus den eingestreuten englischen Worten, dass er einen weiten Bogen von  besserer Lebensmittelversorgung über häusliche Gewalt bis zu Schulprojekten alle relevanten Vorhaben vorstellt. Er wird beklatscht und dann stellt sich unter der Leitung der jungen Lehrerin und ihrer grünen Fahne der lange Zug auf, immer wieder feuern sie sich an. Als sie aus dem Tor marschieren – kleine Mädchen, alte Frauen, viele Mütter mit kleinen Wickelkindern  - ist es ein stattlicher langer Zug, eskortiert von Polizisten. Auf ihren Transparenten sind verschiedene katholische Institutionen benannt. Das wäre doch mal was!!!!

8.3.12 16:11


28.2.-1.3.2012 vom Essen und Hungern, vom Unterricht und anderem


Im Teagarden hinter dem Haus hat es 13 Verhungere gegeben. Hier spricht man von einer Strafaktion, da die Teearbeiter versuchen, gleiche Löhne wie in Südindien – das Dreifache des hiesigen Lohnes – zu bekommen. Die Zeitung spricht von Drogen und Gewalt unter den Arbeitern. Beides ist möglich. Mich erschüttert es sehr: keinen Kilometer von mir entfernt und ich erlaube mir, am Essen herumzunörgeln, die Schüler produzieren mit ihren Resten Eimerweise Schweinefutter. (Dr. Sunil erzählte, dass er in einem Restaurant 2 Deutsche getroffen habe, die wütend Inder beschimpften ob der Unmengen von aufgehäufeltem Essen, was anschließend verworfen wird und ihnen Unhöflichkeit und Verantwortungslosigkeit vorwarfen. Es hat ihn gut amüsiert und er fand es richtig.)

In der Nähe des Kaziranga-NP ist ein Kind von einem Leoparden angefallen worden. Ein Wasserbüffel ist dazwischen gegangen und hat die Leopardin verjagt. Daraufhin ist die Tierpark-Verwaltung losgefahren. Diese Ranger sind von Dörflern übel zugerichtet und krankenhausreif geschlagen worden. Die Dörfler wollen natürlich von den Tigern beschützt werden und werfen der Tierpark Verwaltung vor, daß die Tiere wichtiger seien als sie. Die Verwaltung sagt, dass diese vorher freie Fläche illegal von Flüchtlingen besiedelt worden ist.

Die Nagastämme haben mal wieder  einen Ban beschlossen. Die Lebensmittelpreise seien so hoch, dass es keine andere Möglichkeit gäbe.

In Heinrichs Zeitung stehen diese beunruhigenden Stammes- oder Bandenmorde, ständig Tote, ständig Überfälle.

Der gestrige Regen hat in 50 Dörfern den Strom dauerhaft ausfallen lassen (was wird aus den Reismühlen? Schält man den Reis jetzt wieder von Hand?)

„Unsere“ Na-Ali-Straße hat zwei chice neue gelbe Seitenstreifen bekommen, der an einigen Stellen sogar mit Leuchtmarkierung versehen ist. Nicht etwa, weil wieder ein Schulkind am helllichten Tag verunglückt ist – das ist immer Sache der faulen Mütter, die ihre Kinder nicht in die Schule begleiten – sondern weil 2 Kühe in der Nacht verletzt wurden. Wahrscheinlich lernen Kühe jetzt, Seitenstreifen zu beachten. (Nicht nachfragen, ich auch dumme Kuh.)

Heute wollte ich Tee und Wäscheklammern kaufen, außerdem habe ich mir überlegt, einen Talar schneidern zu lassen. Aber die Stadt schläft – Ban / Streik. Keiner weiß warum aber alle machen mit.

Fr. Jerry hat von seinem Besuch in Guwahāti beim Jugendministerium erzählt. Dort ist er Berater für diesen Ausbildungsbereich, viele andere Frater sind ebenfalls als Berater tätig, da der Privatschulbereich doch weitgehend in DonBosco-Hand liegt und die öffentlichen Schulen „einfach nur Geld verbrennen“. Die öffentlichen Schulen bezahlen ihre Lehrer sehr viel besser, haben aber sehr viel weniger Unterricht, viel mehr Ausfälle und der „Ausstoß“ an Schülern sei sehr viel schlechter.

Auch Dr. Sunil erzählte im Unterricht „öffentliche Gesundheitsversorgung“, dass von 100 Ärzten in Indien nur 10 an Patienten tätig sind, während sich die große Mehrheit im öffentlichen Verwaltungsbereich tummelt. Diese 10 sind dann auch überwiegend Spezialisten in den Städten. Landärzte – siehe Dr. Peter in Maram – sind sehr dünn gesät. Er erzählt, wie korrupt die Ärzte in Indien sind, nur 5 in einer großen Stadt würden keine Geschenke der Pharmaindustrie annehmen. Man kauft z.B. ein Auto und die Pharmaindustrie zahlt so lange die monatliche Rate, wie man deren Medikament XYZ in ausreichenden Mengen verschreibt. Da geht es nicht um ein paar Kugelschreiber oder ein Seminar. Das hat riesige Dimensionen, ist auch der Tatsache geschuldet, dass die Ärzte von ihren Patienten im Prinzip nicht ausreichend gezahlt werden. Es beißt sich einfach die Katze in den Schwanz. Keine Sozialversicherung = keine bezahlten Ärzte = Macht der Pharmaindustrie. Nun ist aber das Hauptinteresse der Pharmaindustrie nicht der Verkauf der Medikamente, sondern das Durchführen von Studien. Weil unsere westlichen Märkte Menschenversuche fordern, aber keiner in Deutschland mit sich Menschenversuche machen lässt, müssen die Inder dran glauben. Dann erzählen die Studenten: wegen Bauchweh zum Arzt gegangen. Großes Labor gemacht, Herzuntersuchung, Nierenröntgen und Tot und Donnerstein. Dann irgendwelche Tabletten vom Arzt (nicht Apotheke) bekommen, auf denen der Name nicht lesbar war, mußte täglich zur Kontrolle, immer große Untersuchungsreihe. Als die Bauchweh weg waren, hat der Arzt Leute geschickt, um sie zu weiterer Einnahme der Tabletten und der Durchführung der Kontrollen zu überreden. Wenn sich das nicht nach Tablettenstudie anhört! 70% der hiesigen Tabletten seien überhaupt nicht registriert. Und dann die auch uns geläufige Palette der Pharmatricks: gleicher Inhaltstoff mit vollkommen verschiedenen Preisen, Marktmacht etc. Auf meine Frage nach der herkömmlichen Medizin, dem Ayuveda, wird gelacht. Das helfe doch nicht, das mache doch niemand. Dr. Sunil weiß, dass es einen Re-Import gibt, weil die reichen Weißen es wollen, wird es wieder aufpoliert. Aber das spielt hier keine Rolle, wohl aber die (deutsche) Homöopathie.

Priyam, das Mädchen das im Oktober mit mir einkaufen war, sprach mich an, es gibt einen Jungen der jetzt in Andrapradesh ist und den sie liebt und von dem sie träumt. Ich ermutige sie anzurufen, einmal, zweimal. Nun heute erzählte sie unter Tränen, dass er auf Frage freimütig sagte, dass er nicht wartet und eine andere hat. Dabei tut sich auf, dass ihre Mutter im Finalstadium Krebs ist und sie hofft, eine Hochzeit noch zu Lebzeiten der Mutter hinzukriegen, bzw. wenn sie keine Liebeshochzeit zustande kriegt wahrscheinlich jetzt auf die Schnelle was arrangiert wird.

Die Briefe an Celina führen immer wieder zu der Frage “wann gehst du dorthin“. Es scheint sehr unglaublich zu sein, einen „Schneckenpost-Brief“ zu schicken, das ist sehr altmodisch.

Mein Unterricht wird freier und besser und die Schüler machen mehr mit, auch die trögen 2. Semester. Ich habe mich nun ganz in die Darstellung und das Rollenspiel begeben und das hilft immer noch am besten, die verschiedenen Gesprächstechniken zu erkennen und zu üben. Die Gespräche über die Frauen sind einfach erschütternd. Da hat sich eine Frau umgebracht, weil ihr Mann eine andere hat: kein Erbarmen, sie ist schuld, Fremdgehen des Mannes ist immer Schuld der Frau. Mein Vorschlag, sie solle sich doch von ihm trennen und sich einen neuen, netten  Partner suchen, stößt auf vollkommenes Unverständnis. Da geht es um alte Frauen (Schwiegermütter) sie sind einfach immer an allem schuld, die können gar nichts richtig machen. Halten sie sich raus, sind sie faul, mischen sie mit sind sie Drachen….. mein Vorschlag, dass eine solche Frau doch eine Tätigkeit außerhalb annehmen könne – im Tempel oder so schlug dem Fass den Boden aus: Frauen gehören ins Haus. Ich gucke so ratlos wie meine Schüler. Diese  Kultur lebt von der Versklavung der Frau.

Die Bauarbeiten im Haus gehen weiter: Gerüste schweben von einem Platz zum anderen. Ich schwöre, diese Gerüstarbeiter können fliegen. In atemberaubenden Sprüngen mit 3-4 Bambusstangen hüpfen sie in der Gegend herum, sie stehen auf unbefestigten Stangen und binden sie aneinander. Immer wieder unglaublich. Der Schreiner hat nicht mal einen elektrischen Bohrer, keine elektrische Säge und keinen elektrischen Hobel. Trotzdem werden die Regale in der Bücherei fertig, sind die Fenster drin und schließen die Türen.

Bei den Weberinnen habe ich mir noch mal einen der schönen Mishing-Mekalas bestellt. Es ist immer wieder interessant, sie zu besuchen, heute haben sie Ketten gespannt: was eine diffizile Arbeit!

Ansonsten wird die Reise nach Arunachal Pradesh nun konkreter, wir haben ein Auto für 10 Tage gebucht. Wir fangen an,  rückwärts zu zählen: noch 24 Tage!

 

 

2.3.12 04:35


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